Diese Worte brachten mich wieder zu mir selbst. Ihre Erzählung und das ewige Lachen über mich, hatten meine Empfindlichkeit rege gemacht, und allmählig hatte sich der Gedanke in meinem Kopfe entsponnen: ob mich die Gräfin nicht wirklich zum Besten gehabt? Daß sie so sprechen mußte, um sich und mich zu retten, hatte ich ganz vergessen.
»Und was beschloß der Graf über mich?« fuhr ich fort.
Er verlöre an Ihnen einen treuen Kerl, sagte er, denn er sehe sich genöthigt, Sie wegzuschicken. Leuten Ihres Standes sey es wohl erlaubt, mit eigener Lebensgefahr Gräfinnen das Leben zu retten, aber sich in sie zu verlieben, müßten sie sich nicht einfallen lassen. Deßhalb wollte er Ihnen, um Ihres eigenen Besten willen, mit einem kleinen Denkzettel den Abschied geben.
»Denkzettel, Denkzettel!« rief ich: »Mit was für einem Denkzettel? Ließ er sich nicht d'rüber aus, was für ein Denkzettel das seyn sollte?«
Diese Worte sagte ich mit einer Heftigkeit, die meinen Thurm wiederhallen machte.
Ich weiß nicht, wie er es meynte!
»Machte er keine Bewegung mit den Augen, oder mit der Hand, woraus du hättest schließen können, wie er das meynte? Ich bitte dich, sahest du gar nichts?« –
Nun, was wird es seyn? Er hob die rechte Hand in die Höhe und ließ sie wieder sinken.
»Himmel und Hölle,« schrie ich: »so wie man die Hetzpeitsche oder den Prügel schwingt! – Es ist sein Tod, wenn er sich thätlich an mir vergreift – sein und mein Tod, das schwöre ich ihm!«
Dafür lassen Sie uns sorgen! Es wird Ihnen nichts geschehen! Morgen kömmt eine Freundin der Gräfin an, für die er sich ihres Schicksals wegen besonders interessirt, und die er schon lange wieder zu sehen gewünscht hat: da bitten wir ihn während der ersten Freude, daß er Sie los läßt, und die Fremde muß mit uns bitten, so kann er nicht widerstehen!