Vier Rappen flogen mit uns bis zur nächsten Station. In wenig Minuten war das Schloß hinter uns verschwunden. Ich umarmte Malchen, und Malchen umarmte mich, mit einer Inbrunst, als ob wir uns heute zum zweytenmal wiederfänden, und nun fing sie an zu erzählen:

Dreyzehntes Kapitel.
Malchen erzählt.

»Ein unschuldiger Scherz, Moriz, hätte dich mir also beynahe auf ewig entrissen! Meine Schwester war der junge Mensch in blauer Uniform, nach welchem du stachest, den du erstochen hättest, wenn dein Ungestüm dich einen gewissen Stoß hätte thun lassen. Du sprengtest davon, ohne auf unser Geschrey zu hören. Von der Terrasse herab, sahen wir dich noch einige Augenblicke und dann verschwandest du hinter Gebüschen und Bergen.«

»Ich sank, als dich mein Auge verlor, ohnmächtig zurück, und meine Schwester, die mehr von Unwillen, als von Schmerz durchdrungen war, rannte ins Schloß, um Hülfe zu holen, und meinem Vater die Begebenheit zu entdecken!«

»Dieser setzte sich mit drey von unsern Leuten zu Pferde und sprengte dir nach. Gegen Abend kam er zurück, ohne eine Spur von dir gefunden zu haben. Sein Zorn auf uns beyde zerschmolz, da er ihn auf uns herab gedonnert hatte, in Zärtlichkeit und Schmerz; denn wir waren beyde so schwach, daß man uns zu Bette bringen mußte.«

»O Moriz, die Nacht, die auf diesen Tag folgte! Wer könnte mir für ihre Qualen je Ersatz geben, als du, der du sie über mich ergehen ließest! O Moriz (ihr Haupt senkte sich sanft auf meine Schulter) wirst du mir diesen Ersatz je verweigern können?«

Ich drückte sie mit nassen Augen sprachlos an meine Brust.

»Ein, zwey Monate vergingen, und wir hörten nichts von dir. Mein Vater war selbst in deiner Garnison und erkundigte sich mit vieler Behutsamkeit nach dir. Er ließ seine Bestürzung nicht merken, als er fand, daß man auch hier keine Nachrichten von dir hatte. Immer bestand er darauf, daß du zu viel auf Ehre hieltest, als daß du über deinen Urlaub ausbleiben, und dich, wie er sagte, austrommeln lassen würdest. Auch ich baute auf diesen Grund. Worauf hätte auch mein armes Herz sonst noch bauen sollen? Nur so lange kann dein Schmerz noch dauern, sagte ich mir immer, als sein Urlaub! Kömmt er zurück, so kann er bald aus seinem Irrthum gerissen werden, und dann ist er wieder dein!«

»Unterdessen – unterdessen – fand – meine Mutter für gut, mich auf jedem Fall, von Hause zu entfernen, weil ich – weil es – und damit man nicht« –

Sie verbarg ihre glühenden Wangen an meiner Brust.