Ich weiß nicht, wie lange wir in dieser Lage geblieben seyn würden. Ich ward ihrer nicht überdrüßig, und Malchen, wie es schien, eben so wenig. O! sie wurde mit jedem Augenblick entzückender! Ewig und ewig hätte ich so liegen bleiben mögen, aber –
Zwölftes Kapitel.
Die Reise geht fort.
Urplötzlich rief eine bekannte Stimme: »Wollt ihr auseinander!« – Wir erschracken heftig, sprangen aber nicht auf – »Junge,« rief es von neuem: »willst du die Hand da weg thun!« und in eben demselben Augenblicke brannte eine kräftige Maulschelle auf meinem Backen.
Und wenn ich sterben soll, so weiß ich diese Stunde noch nicht, wo meine Hand gelegen hat. Ich war ausser mir in jenen Augenblicken; ich wußte nicht, daß ich Hände hatte, ich wußte nicht einmal, daß ich lebte.
Wir sprangen beyde mit gleichen Füßen auf, rieben uns die Augen, und vor uns stand – Malchens Mama. Ich wollte ausreißen, aber sie erhaschte mich beym Fittig und zog mir über den andern Backen noch so eine Schelle.
»Gottloser Junge,« rief sie dabey, »auf ein andermal steck die Hand da wieder hin!«
Ich stand mit offnen Munde da, und zitterte am ganzen Leibe. Malchen hatte keinen Athem und drehete an ihrer Schürze.
»Wo du dich wieder hier sehen lässest« – rief ihre Mama und wollte von neuem auf mich los; aber mein Phylax stand neben mir und wies ihr seine großen Zähne.
Sie zog sich zurück, ergriff Malchen beym Arm und puffte sie zum Garten hinaus. »Du sollst deinen Lohn auch bekommen!« rief sie drohend zurück, und verschwand.
Ich stand wie versteinert. Das war für mich ein Tag der Angst und des Schreckens! Was für Verbrechen ich heute eins auf das andre häufte! Und da sollte ich Muth genug gehabt haben, nach Hause zurückzugehen?