»Nachtgespenst!« rief die rauhe Stimme droben: »Bist du schon wieder auf dem Hofe oder im Busche umhergespukt?«
Liebster Papa, sagte Karoline, ich wollte nur ein wenig frische Luft schöpfen.
So viel konnte ich nur von ihrer sanften Stimme hören. Ich hatte das gute Mädchen jetzt tausendmal mehr liebgewonnen, da sie so hart angefahren wurde.
»Landjägers Sohn,« fuhr ihr Vater fort: »hat schon vor einer Stunde mit dir tanzen wollen, und du – aber, ich will dir noch das Buschkriechen abgewöhnen, oder nicht dein Vater heißen.«
Diese Unfreundlichkeit flößte mir wenig Vertrauen zu dem Vater, aber desto mehr zu der Tochter, ein. Ich stieg zitternd die übrigen Stufen hinan und stellte mich in die Thür des Saales.
Jetzt erst fühlte ich, was ich vorher so deutlich nicht bemerkt hatte: daß mich gewaltig hungerte. Auf einem Seitentische standen Braten, Butterschnitte, Wein und Gebackenes. Gegen Einen Blick, den ich auf meine sanfte Begleiterin warf, die am äußersten Ende des Saals tanzte, warf ich Zehn auf die Lebensmittel, die mir so nahe standen; und ich war mehr als einmal willens, den ersten den besten um ein paar Bissen anzusprechen. Aber Furchtsamkeit oder Stolz, oder beydes zusammen, drückte von Zeit zu Zeit meinen aufsteigenden Appetit nieder.
Mein Phylax war nicht so bettelstolz. Kaum witterte er Braten, so ging er der Spur nach. Er hatte nicht einmal nöthig, sich auf die Hinterfüße zu stellen, um eine ganze Schöpsenkeule mit einem Ruck vom Tische zu holen. Der Tisch krachte, die Gläser klirrten und die Weinflaschen stürzten eine über die andre und kollerten Schlag auf Schlag vom Tisch herunter, während eine Fluth von Wein den ganzen Saal überströmte.
Ich hatte einen tödtlichen Schreck, aber Phylax legte sich gelassen unter dem nächsten Tische nieder und schmauste still und dummdreist von seiner Keule.
Alles, was im Saale war, stürzte herzu.
»Hagel! Wer hat das gekonnt?« rief die Stimme, die ich schon dreymal mit Entsetzen gehört hatte. Ein kleines Mädchen, das bey mir stand, zeigte mit dem Finger auf meinen Phylax. Er nahm ein Licht, beleuchtete den Hund und rief mit schallendem Gelächter: »Ey! prosit die Mahlzeit!« – Nerr–r–r – machte Phylax, indem er ihn ansah und ihm die Zähne wies. – »Nu, nu!« fuhr der Mann fort, »nur nicht so böse! Ich will dir deine Keule nicht nehmen. – Karline, Gottlob, Friedrich! Andern Braten, andern Wein her!«