Ich ließ ihn langsam los und ging unter bittern Thränen auf das Haus zu. Ein Mann stand in der Thür und sah mich freundlich an; aber ich konnte vor Schluchzen mein Anliegen nicht herausbringen.

»Was weinst Du, Kind?« sagte der Mann, indem er sich zu mir herunter bückte und mir die Hand von den Augen nahm: »Wo kömmst Du her? Wem gehörst Du an?«

Ich konnte noch nicht reden. Er nahm mich bey der Hand und führte mich in die Stube.

»Nu, was bringt er da 'mal wieder geschleppt?« fing eine Weibsperson an, die in einer Ecke am Tische saß und bey einer düstern Lampe Strümpfe ausbesserte: »Und das große L** von Hund? Willst du 'naus!«

Frau, sagte der gütige Mann, der Hund gehört dem kleinen Jungen hier!

»Ey was! Ich will von dem Jungen und seinem Hunde nichts wissen! Fort aus dem Hause, alle beyde!«

Sag' mir nur, wo das arme Kind über Nacht bleiben soll? Denk' doch christlich!

»Christlich? Christlich? (Sie trat, beyde Arme in die Seite gestämmt, vor ihn, sprang darauf fort und suchte nach Knittel und Peitsche.) Ist das christlich, wenn ich mir selbst im Lichte steh, und solch Gesindel beherberge, wie der lumpigte Bediente vorhin, und füttre sie, und noch obendrein Hunde? Warte, großes L**, wenn ich nur erst die Peitsche habe, ich will dich und deinen« –

Sie fand einen Dornknittel und ging auf Phylaxen los. Als dieser sah, daß es ihr Ernst war, sprang er auf (er hatte sichs, so wie er herein kam, bequem gemacht, und mitten in der Stube alle Viere von sich gestreckt) und wies ihr mit schrecklichem Knurren die Zähne. Sie prallte erschrocken, und vor Zorn ausser Athem, zurück.