»Du E – du E–sel, hab' ich dich darum aus dem Stall gezogen, gekleidet und geschuhet, daß du große Hunde auf mich hetzest, und liederliche Bengel herbringst, die ihren Eltern entlaufen sind.«

Frau, sagte der Mann gelassen und setzte sie sanft auf einen Schemmel: du bist ausser dir! Erhole dich! Laß uns nur erst hören, wie das Kind hieher kömmt und wem es angehört. Er ist nicht von schlechten Eltern. Sieh 'mal die weiße Haut –

»Ich mag nichts sehen!« rief sie und drehete das Gesicht rasch nach dem Ofen.

Während dieses Wortwechsels stand ich stumm und zitternd da und fing endlich an zu beichten. Daß ich dem Papa entlaufen sey, sagte ich nicht, daß mich aber der Mann, dessen Tochter Karoline hieße (so beschrieb ich ihm jenen unfreundlichen Mann) zur Thür hinausgeworfen, und mit Hunden vom Hofe gehetzt habe, das gestand ich, um sie zum Mitleid zu bewegen.

Aber kaum hörte das Weib diesen letzten Umstand, so sprang sie wüthender als vorher auf, warf alles um und um, und wollte ihrem Manne zu Leibe.

Wie ich hörte, so hatte sie die Schenke von Karolinens Vater in Pacht, und fürchtete, er möchte sie verjagen, wenn er erführe, daß sie mich beherbergt hätte. Sie rechnete ihrem Manne alles vor, was Jener für sie gethan hätte, und drang hiermit und mit wiederholten Drohungen, sich morgen des Tages von ihm scheiden zu lassen, so lange und nachdrücklich in ihn, bis er mich bey der Hand nahm und zum Hause hinaus führte.

»Sey nur still, Kleiner!« sagte er, als ich laut zu weinen anfing: »Du sollst doch über Nacht hier schlafen. Halt dich nur so lange in der Nähe auf, bis sie zu Bette ist, da will ich dich holen!«

Ich ging um das Haus herum und setzte mich unter bittern Thränen hinter einem Zaune nieder. Nach einer halben Stunde ungefähr kam er zurück, nahm mich bey der Hand und führte mich durch eine Hinterthür über den Hof auf seinen Heuboden. Hier verließ er mich, und brachte mir nicht lange nachher ein Butterbrot und ein Kopfküssen, doch mit dem Bescheid, daß ich mich morgen in aller Frühe, wenn seine Frau noch schliefe, auf den Weg machen müßte.

Fünftes Kapitel.
Schrecken und Graus.

Unter Seufzen und Stöhnen fing ich an mein Butterbrot zu bearbeiten. Phylax bekam nichts davon, weil er Braten gegessen hatte. Je länger ich aß, desto weiter flohen von mir Besorgniß und Furcht, und als ich es rein aufgezehrt hatte (es war nicht klein) wickelte ich mich in mein Küssen, um einzuschlafen.