Er stieg vom Boden hinunter, wir folgten ihm bald nachher und kamen unbemerkt ins freye Feld.
Darauf theilte ich mein Butterbrot in drey ziemlich gleiche Theile. Wir bissen alle drey mit gleichem Appetit hinein, und dies gab meinem Reisegefährten Anlaß, mich zu fragen: wovon ich denn so lange leben wollte, bis ich irgendwo Unterkommen fände? Ich sah ihn mit großen Augen an und verrieth dadurch, daß ich daran noch nicht gedacht hatte. »Von der Luft können wir nicht leben,« fuhr er fort, »und wenn du kein Geld hast, mußt du umkehren!«
Das fiel mir wie ein Stein aufs Herz. Ich stand still und hätte lieber geweint. Aber ich erinnerte mich an meinen Kupferdreyer! Ich hatte ihn in der flachen Hand liegen und je öfter und länger ich ihn ansah, desto lebhafter fühlte ich meinen Muth heranwachsen. Mein Gefährte beobachtete mein Mienenspiel und fieng an herzlich zu lachen.
»Ich merke schon,« sagte er, »du verläßest dich auf deinen Kupferdreyer; aber du mußt wissen, daß wir nur noch eine halbe Meile haben, so sind wir im Sächsischen, wo ihn die Leute nicht umsonst nehmen. (er faßte mich bey der rechten Schulter und schüttelte mich) Was meynst du dazu, Kundmann?«
Mir ward es trocken im Munde und beklommen ums Herz. Ich reichte ihm den Dreyer hin, und wollte ihm zu verstehen geben, er sollte etwas dafür einkaufen, damit wir im Sächsischen zu zehren hätten. Er nahm ihn, lief auf ein Haus zu, das am Eingange eines Dorfes stand, und stellte sich, während ich herzu kam, in die Thür, mit einem Gläschen in der Hand. »Willst du?« sagte er. Ich schauderte zusammen, als ich sah, daß es Brantwein war. – »Kannst du keinen trinken?« – Ich schüttelte betrübt den Kopf, und mit Einem Stoße warf er meinen Kupferdreyer mit allen den Hoffnungen, die ich auf ihn gebauet hatte, die Kehle hinunter.
Da stand ich!
Er gab dem Wirthe das Glas zurück, nahm mich bey der Hand und zog mich mit fort.
Die feurige Lobrede, die er hierauf dem Brantwein hielt, gefiel mir nicht im mindesten, denn mein Dreyer schwebte mir noch viel zu lebhaft im Gemüthe. Doch gab ich mich endlich zufrieden, weil ich nun Anspruch auf seinen Beutel zu haben glaubte, da ich ihm mein Letztes zum Besten gegeben hatte.
Es ward hoher Mittag und ich fühlte großen Hunger. Es konnte nicht fehlen, daß ich jetzt lebhaft an Papa's Tafel zurück dachte, und daß mit dieser Vorstellung eine lange Reihe andrer in mir rege wurden. Aber so unangenehm sie auch waren, brachten sie mir doch den Nutzen, daß ich, so lange sie lebhaft blieben, Hunger und Durst vergaß.
»Hier mußt du betteln!« sagte mein Gefährte am Eingang eines Dorfes zu mir, und riß mich dadurch aus meinen Betrachtungen. Ich sah ihn mit großen Augen an, aber er versicherte, es sey sein völliger Ernst.