Junge, was machst du? hörte ich auf einmal eine Stimme hinter mir: Ich habe den Hund gekauft!

Wie David ehedem vor Goliath mag gestanden haben, so stand ich jetzt vor dem Bauer, in jeder Hand einen Stein, ohne einen Laut hervorbringen zu können. – »Hitzige Blitzkröte!« rief der Bauer und schleuderte mich auf einen Düngerhaufen, der hinter mir lag.

Mir sank aller Muth. Ich hatte nicht Tollkühnheit genug, mich einem großen, breitschultrigen Manne zu widersetzen, der mich zu Brey gedrückt hätte, mithin war für mich kein andrer Weg als Güte. Ich weinte und bat ihn, mir meinen Hund wieder zu geben. Der Schlingel hat ihn mir gestohlen! Der Hund gehört mir! rief ich eines Rufens. – »Wenn du mir mein Geld wiedergiebst,« sagte der Bauer lächelnd, »sonst nicht!« – Lieber Gott! wo soll ichs denn hernehmen? erwiederte ich schluchzend, und bat von neuem, er möchte mir ihn so wiedergeben. Er ließ sich noch ein paarmal bitten, und machte sodann meinen Phylax los. Wie der sprang! Wie ich sprang! Ohne dem Bauer zu danken, sprengte ich vom Hofe hinunter und zum Dorfe hinaus, im bittersten Zorn auf meinen Gefährten. Dieser saß noch auf dem Flecke, wo ich ihn gelassen hatte und erwartete mich ganz ruhig. Als ich nicht weit mehr von ihm war, fing ich an zu schimpfen und ihn mit meinen Steinen zu ängstigen. Sie fielen so hageldicht, daß er seine ganze Gelenkigkeit zusammen nehmen mußte, um ihnen auszuweichen. Als ich mich verschossen hatte, lief er auf mich zu, und umklammerte mich so fest, daß ich mich nicht regen konnte.

Närrischer Junge! rief er und ließ mich plötzlich los, denn Phylax fuhr ihm schnarchend nach dem Rockschooße: Du hast ja den Hund wieder und wir haben obendrein noch auf drey Tage zu leben. Dabey zeigte er mir, was er für das Geld alles eingekauft hatte. Mein Hunger trug viel zu meiner gänzlichen Besänftigung bey. Wir versöhnten uns und gingen auf D** zu.

Achtes Kapitel.
Moriz in Gefahr.

Wir gingen um die Stadt herum und traten eine halbe Stunde von derselben in einen Gasthof. Für etwas Großes schien uns der Wirth nicht zu halten, denn er fragte uns mit solcher Zudringlichkeit aus, daß er in wenig Minuten soviel von mir wußte, als mein Gefährte. Hierauf erkundigte er sich nach unsern Pässen und gab durch den Ton, womit er dies that, deutlich genug zu verstehen, daß er uns nicht aufnehmen würde, wenn wir nicht Schwarz auf Weiß darthun könnten, daß wir weder Diebe noch Landstreicher wären.

Mein Gefährte suchte in allen Taschen, und als er nichts fand, fing er an, auf seine Unachtsamkeit zu fluchen. Das Ende davon war, daß er keinen Paß hatte. »So geht, wo ihr hergekommen seyd,« sagte der Wirth zu ihm, »ich will mir eurentwegen keine Strafe zuziehen!« – Mein Gefährte bat ihn nur um eine einzige Nacht, erhielt aber nichts, als Nachricht, wo er einen Logiszettel bekommen könnte, wenn er seine Umstände, Vorhaben und Handthierung anzeigte.

Unterdessen erwartete ich mit Furcht und Zittern meinen Bescheid. »Du kannst hier bleiben,« sagte er zu mir, »du bist weder Dieb noch Spitzbube, wenigstens siehst du nicht so aus.«

Mein Gefährte ging, und wenn er mir nicht den boshaften Streich mit meinem Phylax gespielt hätte, so wäre ich mit ihm gegangen. Wenigstens ließ er es an Bitten und Vorstellungen nicht fehlen, und trieb es so lange, bis ihm der Wirth (der sich meiner annehmen zu wollen schien) ernstlich die Thüre wies.

Als er fort war, nahm mich der Wirth noch einmal in die Presse. Ich hatte mich schon bey dem ersten Verhöre verlauten lassen, daß ich mit aus Furcht vor dem Legationsrath, meinem Papa entlaufen sey; jetzt erkundigte er sich noch einmal und genauer nach diesem Manne. Ich gab ihm so viel Umstände von ihm an, als ich konnte, und nicht lange darauf zog er sich an und ging fort.