»Ja, ja, in L**! Sind Sie denn anderswo gewesen?«
Ich war in der peinlichsten Verwirrung. Mein hervorstechendstes Gefühl war eine Art von verschämter Besorgniß.
Ich bin nicht in L** gewesen!
»Armer Mensch! Ihre eignen Augen strafen Sie Lügen! Genug, Sie sind in L** gewesen, das weiß ich, und wenn Sie's auch niemand gestanden haben. – Soll ich rathen, bey wem?«
Bey diesen Worten war mir, als wenn man mir einen Eimer siedendes Wasser über den Leib stürzte.
»Was macht Malchen Lehmnitz? Freute sie sich nicht über ihren Ritter? Hier (sie zeigte auf meine Stirn) die Stöße und Risse müssen ihr unendlich angenehm gewesen seyn – nicht, Lemberg?«
Ich glaubte in den Boden zu sinken.
»Wie scheu, wie schüchtern der Mensch ist! Warum reden Sie nicht? Sie sehen ja, daß ich alles weiß. Oder soll ich Ihnen ein förmliches Geständniß ersparen? Nun gut! Hören Sie also, was Sie selbst nicht zu wissen scheinen wollen: Sie sind in die Lehmnitz verliebt, und sind nach L** geritten, um sie zu sehen. Getroffen?«
Ich machte eine Bewegung, als wenn ich den Kopf schütteln wollte und doch nicht könnte.
»Nun, ich sehe wohl, Lemberg, Sie sind noch nicht völlig mit mir ausgesöhnt, sonst würden Sie mir doch eine Sylbe gönnen. Ich muß also meinen hohen Begriff von Ihnen ein wenig herunterstimmen. Indessen ist es mir nicht leid, daß ich mich als Freundin Ihrer Mutter für Sie verwandt habe. Daß Sie der Kassation entgangen sind, danken Sie mir. Hier ist Ihr Brief. Ich habe Ihnen weiter nichts zu sagen, als daß ich es weiß, daß Sie in L** gewesen sind, und sonst niemand!«