Ich drehete mich stillschweigend um und ging. Sie rief mich zurück.
»Noch eins muß ich Ihnen sagen! Sie gelten bey Hofe für einen Anverwandten von mir, merken Sie sich das! Es hat gute Gründe, die Ihnen in die Augen fallen werden. Nun gehen Sie!«
Das Betragen der Gräfin blieb mir von Anfang bis zu Ende unbegreiflich, und das war kein Wunder, da ich sie aus einem ganz falschen Gesichtspunkt ansah, den Umstand ungerechnet, daß mein Kopf und Herz in einer Lage waren, die mir durchaus nicht erlaubte, das zu erforschen, was um mich vorging. Ich wußte ja nicht einmal, wie mir eigentlich war.
Den folgenden Tag bekam ich das Patent zu einer Fähndrichsstelle unter dem Regimente zu L** und ich war wie vom Himmel gefallen.
Sogleich rannte ich zu der Gräfin, um ihr zu danken, denn es war gewiß, daß sie das alles bewirkt hatte. Aber weshalb interessierte sie sich so für mich? Um ihrer Freundin Malchen einen Gefallen damit zu erweisen.
Diese seltsame Grille verließ mich nicht. Wie würde die Gräfin gelacht haben, wenn sie derselben auf die Spur gekommen wäre.
»Ich konnte es nicht anders machen,« hub sie mit verbißnem Lachen an: »Sie mußten nach L**. Es fehlte gerade ein Fähndrich. Wenn es Ihnen aber da nicht gefällt, so schreiben Sie es mir, ich will sorgen, daß Sie mit der Zeit an ein anderes Regiment vertauscht werden!«
Es schien, als ob ich dazu verurtheilt gewesen wäre, unter ihren Augen den Stummen zu spielen. Ich hatte mir vorgesetzt, ihr soviel zu sagen, aber konnt' ich es? Drey Worte und ein Blick von ihr machten mich zum Kinde.
Beym Abschiede sagte sie zu mir: es bleibt dabey, Sie sind mein Vetter. Oder mögen Sie nicht aus meiner Verwandtschaft seyn?
»Welch ein Glück für mich, wenn ichs wäre!« sagte ich, und man bewundere meinen erstaunlichen Muth.