Wie so?

»Sie gehen doch durch die H** Straße um die Krone von L** zu sehen?«

Mir fing unwillkürlich das Herz an zu pochen, und ich muß roth geworden seyn.

»Habe ichs getroffen? Armer Lemberg! Sie sind nicht der einzige, dem's unterm Küraß schlägt, wenn er das Haus da (er zeigte mit dem Stocke auf das Haus, wo ich Malchen gesehen hatte) ansieht. Es war eine Zeit, wo ich selbst solch ein Narr war. Kommen Sie! Sehen können Sie den Engel, aber das ist auch alles!«

Ich fühlte eine höchst unangenehme innerliche Bewegung, jener ähnlich, die der große Blumist in Holland hatte, als ihm ein Fremder versicherte, er habe eben die Blume, die er nur auf dem ganzen Erdboden allein zu besitzen glaubte, schon bey einem deutschen Gärtner gesehen.

Mein Begleiter zog mich halb wider meinen Willen fort, und ein Glück für mich, daß Malchen nicht gerade aus dem Fenster sah, ich wäre sonst unter ihren Augen umgekehrt, und hätte dem Offizier die lächerlichste Blöße gegeben. Wir kamen näher, ich wagte einen Blick, sie stand am Fenster, begegnete mir mit ihren Augen, und, sollte man es denken! ich war bäurisch genug, einige Schritte vorbeyzugehen, ehe es mir einfiel, den Hut zu ziehen. Ich that es endlich, aber ohne hinter mich zu sehen, und sie war so nachsichtsvoll, das Fenster aufzureißen und mir zu danken. Mein Begleiter versicherte mich, sie habe gerufen: wie kommen Sie hieher, Herr von Lemberg? Ich hatte nichts gehört, glaubte es ihm auch nicht.

Mein Kamerad erkundigte sich, woher unsere Bekanntschaft rührte, und ich erzählte ihm, in einer Art von Verzückung, daß ich sie schon lange kennte und mit ihr erzogen wäre.

»Sie sind zu beneiden, Lemberg!« sagte er: »Aber warum besuchen Sie das schöne Mädchen nicht? Oder ist es schon geschehen?«

Ich versetzte ganz gleichgültig, daß ich ihr bey Gelegenheit meine Aufwartung machen würde.

»Bey Gelegenheit? Auf der Stelle sollten Sie es thun! Sie hat, auf meine Ehre, gerufen!«