»Graf Waller!«
Wild und wüthend fuhr ich auf.
»Sehen Sie, da steht er, der dumme, ausgetrocknete, süße Narr! Nur ein paar Schritte näher, so können Sie ihn riechen!«
Ich warf den Kopf herum, mit einer Bewegung, die meinem Gesellschafter sehr lächerlich seyn mußte.
»So sehen Sie ihn doch nur wenigstens an. Sie müssen sich doch an seinen Anblick gewöhnen. Er bleibt mit seiner Braut in L**.«
Ich war wie auf der Folter, faßte aber doch endlich Muth und sah den Grafen an. Er stand mit einem Offizier Hand in Hand.
»Wie kann man sich aber mit solch einem elenden Menschen abgeben?« sagte ich, mit der ganzen Wuth, die sich mir aufs Herz geworfen hatte: »Ein Soldat, und solch ein Windbeutel! Dem Lieutenant Rahm kann ich nie wieder gut werden, weil er ein vertrauter Freund von ihm ist!«
Bravo, bravo! rief mein Gesellschafter lachend: Sie werden beredt! Immer geben Sie von sich, was Sie auf dem Herzen haben, das wird Ihnen gute Dienste thun. – Wissen Sie, wie man hier die beyden Leute nennt? Damon und Pythias. Solch eine Freundschaft ist unerhört! Sie wohnen auf Einer Stube, schlafen in Einem Bette, halten sich Ein Mädchen, kurz, einer ist des andern Schatten. Das ist bekannt, und Sie haben sie gewiß selbst mehr als hundertmal gesehn!
»Kann seyn, aber es ist mir nicht aufgefallen!«
Und nun fällts Ihnen so stark auf, daß Sie kochen? Ich sehe, wo es Ihnen fehlt, lieber Lemberg, aber ich sage Ihnen, die Lehmniz straft sich selbst. Vielleicht ist sie auch von ihren Eltern – dazu – gezwungen worden. – Aber, mein Gott, das müssen Sie ja alles wissen?