Die Schrift war an den Obersten von Lehmniz, Malchens Vater überschrieben. Ich erboth mich, ihm dieselbe auf der Stelle auszuhändigen, denn ihr Inhalt ging mich (wie ich aus den Worten der Gräfin schloß) viel zu nahe an, als daß ich hätte ruhig dabey bleiben können. Aber Malchen wollte lieber, daß ich seine Ankunft erwarten sollte, denn sie fürchtete immer noch, von dem Grafen überrascht zu werden. Der Oberste kam endlich mit seiner Gemahlin.

»Nein,« sagte er, als er in die Thüre trat: »so ganz richtig ist es diese Nacht nicht zugegangen. Ich bin ein paarmal über dem Gepolter aufgewacht. Nu, wir wollen jetzt sehn!«

Er erstarrte, als ich ihm so auf einmal in die Augen fiel! »Was Henker und Hagel!« rief er, indem er mich wild beym Arme nahm und ans Fenster zog: »Fähndrich Springinsfeld in einer Nachtjacke bey meiner Tochter? Ich bitt' euch um Gottes willen, sprecht, sprecht!«

Frau von Lehmniz stand ohne Bewegung von der Seite, und sah uns mit starren Augen an. Malchen konnte eben so wenig sprechen als ich. Stillschweigend reichte ich dem Alten die Schrift der Gräfin. Er riß sie ungestüm auf und einige Stücke Papier fielen ihm entgegen. Ich hob sie auf, setzte sie zusammen, und sahe, daß es ein zerrißner Ehekontrakt war.

»Verwünschte Pfote,« rief der Alte: »verwünschte Pfote!« und alle seine Glieder zitterten. »Lies Jettchen, lies!« Er gab seiner Gemahlin die Schrift, und sie las:

»Es sind diese Nacht in der Brautkammer Dinge vorgefallen, die sich mit Menschenzungen nicht aussprechen lassen« –

»Ha, Fähndrich!« rief Malchens Vater, und packte mich vor der Brust. Malchen that einen lauten Schrey, und Frau von Lehmniz suchte mich von ihm loszumachen. Ich hätte mich nicht gewehrt, und wenn er mich erdrosselt hätte!

Mein Gott! sagte Frau von Lehmniz – laß ihn doch nur los, bis ich alles gelesen habe!

»Nein,« rief er, »nein!« und dabey packte er mich noch grimmiger an, und schüttelte mich, daß mir die Zähne klapperten. Frau von Lehmniz las weiter:

»Mein Neffe hat zuweilen Anfälle von Unsinn und Verrückung, das hat er diese Nacht gezeigt. Ihre Tochter und der Fähndrich werden Ihnen erzählen« –