Frau von Lehmniz erschien mit Malchen. Er nahm die Hand der letztern und legte sie in die meinige. »Sieh, Jettchen,« sagte er zu Frau von Lehmniz und ein paar große Thränen stiegen ihm aus den Augenwinkeln: »Sieh nur – diese Kinder sollen sich heyrathen!«

»Heyrathen?« schrie Fräulein Louise und sprang mitten unter uns.

»Es ist ja richtig!« rief ihr Vater: »Kinder, es ist ja richtig! Was kann es anders werden? (er wandte sich zu seiner Gemahlin) Hast du's nicht auch richtig befunden?«

Malchen zerdrehete die Zipfel ihres Halstuches, ich sah an die Decke, und Fräulein Louise guckte andächtiglich durchs Fenster.

Achtes Kapitel.
Aussichten zu Mord und Todschlag.

Nach einigen Minuten trat ein Offizier ins Zimmer, und foderte mich im Namen des Premier-Lieutenants Rahm auf Schuß oder Stich. Die drey Frauenzimmer erschraken von ganzem Herzen, aber der alte Husar hatte eine innerliche Freude. »Ich sekundire ihm,« rief er – »Aber sagen Sie dem Herrn von Rahm zurück: brave Kerls schlügen sich auf den Hieb! Um Neun Uhr kann er ins *** kommen, da soll er uns finden; und wenn ihm der (er zeigte auf mich) nicht genug giebt, so kriegt ers von mir – denn sehen Sie (auf Malchen zeigend) das Mädchen ist meine Tochter! Sagen Sie ihm das wieder!«

Bey den letztern Worten fingen die drey Weiber laut an zu schreien.

»Hast du es vergessen,« sagte er zur Frau von Lehmniz: – »Daß ich mich mit drey Oestreichern 'rumgehauen habe? – Und du (zu Malchen) daß der diese Nacht die beyden Kerls bey den Haaren zur Stube 'rausgeschleppt hat? – Also! – Und nun gebt mir keinen Laut von euch, daß ichs höre?«

Darauf schickte er seinen Jäger fort, der meine Uniform und Degen holen mußte. Während der Zeit nahm er mich beym Arm, und ging mit mir im Zimmer auf und ab. Zugleich horchte er, ob eine von den Damen wimmerte, und hörte er einen Seufzer, so drückte er jedesmal meinen Arm fest an sich, um mich aufmerksam darauf zu machen.

Als meine Uniform kam, half er sie mir anziehen. Seine Uhr legte er auf den Tisch, und wenn eine Viertelstunde vorbey war, sagte er es jedesmal. Endlich schlug es drey Viertel auf Neun, und es wurden zwey Pferde vorgeführt. Nun konnten die ernstlichsten Drohungen die Weiber nicht mehr zurückhalten. Sie hingen sich wechselsweise an mich und an den Vater, aber er sagte ihnen statt alles Trostes: Die Ehre ruft! Habt euch nicht so närrisch, Kinder! – Für Malchen behielt er seinen kräftigsten Trostspruch bis zuletzt auf, denn erst unten an der Treppe sagte er zu ihr: er soll dir ein paar Finger mitbringen zum Brautgeschenk; freuest du dich nicht darauf, Töchterchen? – Aber Töchterchen wurde ohnmächtig! Ohne sich weiter um sie zu bekümmern, nahm er mich bey der Hand und sagte: Närrchen, es war ja nicht mein Ernst!