Neuntes Kapitel.
Nur zwey Finger! und die ganze Geschichte ist aus.
»Springinsfeld,« sagte er unterwegs zu mir: »es wäre doch so übel nicht, wenn Du ihm ein paar Finger kürzer machtest! Warum streckt er sie nach verbotener Frucht aus. Sieh (er zeigte mir mit seinem Hirschfänger eine Bewegung) wenn du, eh er sichs versieht, mit dem Degen von der Seite herumfährst, so sind die Finger, die am Griffe liegen bloß, und du kannst sie ihm mit einem Hieb abnehmen. Dann ist die ganze Geschichte aus, und ihr seyd wieder gute Freunde!«
Ich mußte dem alten wunderlichen Manne versprechen, mein Möglichstes zu thun, um ihm zwey Finger abzunehmen, und wir kamen in ** an. Rahm erschien mit seinem Sekundanten kurz nach uns.
Rahms Anblick brachte mich aus aller Fassung. Alle Ideen der vorigen Nacht wurden in meinem Kopfe von neuem rege, und ich griff eben so rasch nach meinem Degen, als ich vor einigen Stunden nach dem Pistol griff. Ich zog und legte mich in Positur.
Rahm ließ mich nicht lange warten. Sein Degen pfiff auf mich ein, und Schlag auf Schlag fiel hier und da!
»Was ich dir gesagt habe, Fähndrich!« sagte der alte Husar, der mir zur Seite stand – »das Brautgeschenk!«
Aber ich hatte es mit keinem Neulinge zu thun! Rahms Streiche fielen so rasch, so hageldicht, so gewaltig, daß solch ein frischer Arm dazu gehörte, als der meinige war, wenn er nicht am Degengriff erstarren sollte.
Keiner von uns gab einen Laut, aber der Alte machte bey jedem Ausfall ein Feldgeschrey mit seinem »Was ich dir gesagt habe, Fähndrich!«
Wir thaten drey Gänge, und von beyden Seiten kein Tropfen Blut. »Brave Jungen, brave Jungen!« sagte der Alte während der Pause – »Aber was ich dir gesagt habe!«
Zum viertenmal stürzten wir auf einander, und Rahm schien seine ganze Wuth und Stärke zusammenzunehmen. Hitziger als vorher drang er auf mich ein, und mit jedem Hiebe stieg seine Erbitterung. Seine Streiche wurden immer gewaltiger, aber seine Paraden immer sorgloser und unordentlicher, und als er endlich einen wüthenden Kopfhieb auf mich führte, that ich einen Seitenschritt, und hieb ihm über den Arm, daß sein Degen sank und ein Strom von Blut an demselben herunterschoß.