»Victoria!« schrie der alte Husar, und sprang zwischen uns – »Alles gut, alles vergessen! Nun vertragt euch!«
Rahm reichte mir mit weggewandtem Gesichte seine linke Hand, und als mich der Alte zum Versöhnungskuß schob, drehete er den Kopf, und ließ mich sein Ohr küssen.
»Pfui« – sagte der Oberste, indem er sein Schnupftuch herauszog, und es Rahmen fest um seine Wunde wickelte – »Blut macht gut! Ihr sollt und müßt euch vertragen!« Darauf drehete er mir Rahms Mund entgegen. Rahm lächelte, und umschloß mich mit seiner linken recht herzlich. Der alte Lehmniz that einen Luftsprung. Wir halfen dem Lieutenant auf sein Pferd, und er war im Begriff mit seinem Sekundanten, ohne uns, davon zu reiten, aber der Oberste sprengte hinterdrein, und sagte: »Rahm, Ihr hättet eure Schuldigkeit nicht halb gethan, wenn Ihr nicht mit mir rittet, und euch nicht noch mit meiner Tochter vertrüget. Denn seht nur, das arme Mädchen habt Ihr am meisten beleidigt!«
Mir wurde warm bey diesen Worten.
»O, ersparen Sie mir diese Demüthigung,« erwiederte Rahm – »zu allem andern steh ich zu Befehl!«
»Nun gut, bey einer andern Gelegenheit! Aber sagt mir nur, warum hat der Windbeutel nicht zu meiner Tochter ins Bette gewollt? Sie ist doch, beym T**! nicht häßlich!«
Schön wie ein Engel! sagte Rahm, und bey mir stieg eine Art von Verdruß auf, daß er sich unterfing, dies zu sagen: Aber heute verlangen Sie keine weitläuftige Erzählung von mir. Waller heyrathete nicht Ihre Tochter, sondern Ihr Geld. Sein Vermögen war durch die Lüfte, das hätten Sie bey der geringsten Nachforschung erfahren können. Seine Tante spürte Sie auf, bey einer Geschichte, die Lembergen betraf, und sie konnte nicht besser wählen, denn Sie sind der gutherzigste Mann von der Welt. Aber Waller hatte auf seiner Reise nach Paris mit seinem Vermögen – Alles verloren. Ich sollte das ersetzen, und er wollte das Geld nehmen! Dies sey Ihnen für heute genug. Wenn ich geheilt bin, erlauben Sie mir wohl einen Besuch auf Ihrem Guth?
»O, Du kömmst mit zur Hochzeit!« – erwiederte der Oberste: »Aber, das sag' ich dir: Hand von der Braut! Nun reit' in Gottes Namen, und laß dich verbinden!«
Er gab seinem Ungar die Spornen, und wir sprengten davon. Zu Hause empfingen sie uns mit lautem Freudengeschrey. Malchen musterte mich von oben bis unten, und eine sanfte Freude leuchtete aus ihren Augen, als sie mich so ganz unversehrt wiedersah. Unterdessen ließ ihr Vater anspannen, die Kutsche fuhr vor, und die ganze Familie stieg ein. Ich begleitete sie bis vor das ** Thor, wo mich der Oberste umkehren hieß. Malchen streckte mir ihr weißes Händchen aus der Kutsche her, und ihr Vater rief: »In vier Wochen, Springinsfeld! Sobald die alte Schlange in D** die Scheidung schickt, schreibe ichs dir: dann sitz' auf und komm!«