»Sprudelkopf,« rief er ernsthaft: »ich weiß, was du willst! – Ein Soldat muß lieben und gehorchen können. Hier ist dein Urlaub auf sechs Monat, schon geschrieben, aber du bekömmst ihn nicht eher als morgen früh um sechs Uhr. Nun steht es bey dir, zu bleiben oder zu reiten.«

Ich ging stillschweigend nach der Thür.

»Sag' zu meinem Johann,« rief er mir nach: »daß er sogleich aufsitzt, und auf jeder Station Pferde in meinem Namen bestellt. Ihrer kannst du dich bedienen. Sorge nun, daß deine Liebe soviel von ihren Rechten nachläßt, als die Subordination von den ihrigen. Reise glücklich!«

Er ging. Ich sah ihm stumm und verstürzt nach, und das helle Wasser stand mir in den Augen.

Zweytes Kapitel.
Er kömmt und – sieht!

Welch eine Nacht hatte ich zuzubringen! Meine Liebe kämpfte unabläßig mit meiner Pflicht, besiegte sie, und ward von ihr besiegt. Meine Freunde thaten alles, um mich aufzuheitern, aber ich ward erst froh, als es sechs Uhr war. Der Adjutant brachte mir den Urlaub, und ich sprang auf mein Pferd, das schon seit zwey Stunden gesattelt vor meinem Quartiere gestanden hatte.

Armer Rappe! riefen meine Kameraden, und ich sprengte davon. Der Boden zitterte unter mir, und meine Haare und die Mähne meines Rosses sausten. Mein Geist war bey Malchen, und mein Körper sechszehn Meilen von ihr. Mein armes Pferd mußt' es entgelten, wenn jener durch irgend einen Zufall auf einige Minuten zu diesem zurückgerufen wurde.

Auf jeder Station schrieb man sich meinen und des Generals Namen sorgfältig auf, und versprach, Nachricht zu geben, ob die Pferde, die ich geritten, mit dem Leben davon kommen würden. Auf der letzten mußte ich mir das Pferd geradezu kaufen, weil der Postmeister dasjenige, was mich zu ihm gebracht hatte, vor seinem Hause umfallen sah.

Es war drey Viertel auf vier, als ich den Schloßthurm von Lehmniz erblickte. Beynah hätte ich vergessen, was mir Malchen so dringend aufgegeben hatte: durch den Garten mich dem Schlosse zu nähern.

Ein paar tausend Schritte von der Gartenmauer erhob sich ein kleiner Hügel, von dem ich alles übersehen konnte. Ich glaubte auf einer Terrasse mitten im Garten ein Frauenzimmer zu erblicken. Sie schien eilig die Terrasse herabzusteigen, als sie mich dahersprengen sahe. »Wer kann es anders seyn als Malchen,« rief ich laut: »sie eilt von der Terrasse, und mir entgegen!«