»Und sucht Dienste?« fuhr er fort.

Ja! sagte ich noch einmal eben so eilig, und der Gedanke, mich für einen Jäger auszugeben, gefiel mir. Mein grüner Oberrock hatte ihn wohl zunächst auf diese Frage gebracht.

»Aber wie kömmt der Herr hieher?«

Ich weiß nicht genau, was ich ihm in der ersten Angst erzählte, aber das weiß ich, daß kein Zug aus meiner wahren Geschichte darin war. Ich machte mich zu einem Land-Jägers Sohn aus dem P*. Ich wäre ausgetreten, sagte ich, um der Muskete zu entgehen, womit man mir gedrohet habe. Da meine Flucht heimlich geschehen, hätte ich mich weder mit Pässen noch mit Attestaten zu meinem künftigen Fortkommen versehen können, also würde mir doch wohl am Ende nichts übrig bleiben, als die Muskete.

Die Angst ist eine vortrefliche Lügnerin. Zu jeder andern Zeit hätte ich stundenlang auf einen solchen Roman sinnen können, und doch wohl nicht soviel Wahrscheinlichkeit hineingebracht. Mir ward es ganz leicht ums Herz, als ich ihn glücklich verwickelt und entwickelt hatte.

Der Herr nahm mich einigemal scharf aufs Korn. Mein Gesicht und überhaupt mein ganzes Aeussere schien ihm zu gefallen. Er ritt eine Weile stillschweigend neben mir und sagte endlich: Mein Sohn, es wäre schade um dich, wenn du wider Willen Soldat werden solltest. Willst du bey mir als Jäger bleiben?

»Aber ich bin erst zwey Jahre bey der Jägerey gewesen!« sagte ich mit derjenigen bewundernswürdigen Geistesgegenwart, die ich nun schon seit fünf Minuten an mir gewohnt war.

Daran liegt nichts, erwiederte er, mein alter Tobias wird dir alles sagen und zeigen, was du noch nicht weißt. Versprichst du treu und fleißig zu seyn?

Ja, sagte ich und reichte ihm meine Hand. Er lächelte, und ich fühlte mein Gesicht glühen, darüber, daß ich meine Rolle vergessen hatte. Ich, ein angenommener Jäger, reiche meinem Gebieter die Hand! Ich glühete noch stärker, als er zu mir sagte: Nun, so reite hinter mir, und glühete am allerstärksten, als mich der Reitknecht, mit dem Titel: Herr Kamerad, beehrte, und mir die Hand reichte.

Ein Glück für mich, daß mein Herr in diesen Augenblicken weiter keine Fragen, meine Geschichte betreffend, an mich that, ich würde sonst alles schlecht gemacht haben, was ich vorhin gut gemacht hatte. In weniger als einer Stunde kamen wir auf dem Schlosse des Grafen an. Daß er ein Graf sey, sagte mir mein – Kamerad.