Drey Tage? Drey Tage? rief ich erschrocken, denn ich hatte Rechnung darauf gemacht, sie heute noch zu sehen; und deßhalb befand ich mich vorhin so wohl, deßhalb fehlte mir nichts, und deßhalb wollte ich sogleich aufstehen! Jetzt glaubte ich mich weit übler zu befinden, als zwey volle Minuten vorher, und ich sagte zu der Kammerjungfer, daß es auch bey mir leicht drey Tage dauern könnte, eh' ich meine Kräfte wieder erlangte.

»Und die Gräfin glaubt,« unterbrach sie mich mit nassen Augen: »daß Sie in drey Tagen nicht mehr leben werden.«

Was? rief ich, indem ich mich schnell im Bette aufrichtete – Was? – Nicht mehr leben? Bin ich nicht frisch und gesund?

Ich wollte aus dem Bette springen, aber der Gärtner hielt mich zurück.

»Ach,« fuhr sie fort, »wenn die Kranken nicht wissen, wie krank sie sind, so ist es ein Zeichen, daß sie in den letzten Zügen liegen!«

Sie weinte und schluchzte ganz erbärmlich, und ich – ich hätte verzweifeln mögen über ihre Albernheit!

In dem Augenblicke trat der Wundarzt herein. Er untersuchte meinen Puls, prophezeiete, daß ein Wundfieber unterwegs sey, und rieth mir, mich aller Gemüthsbewegungen zu enthalten. Darauf ging er mit der Kammerjungfer zur Gräfin. Ich flüsterte ihm ins Ohr: er sollte der Gräfin sagen, ich wäre gesund wie ein Fisch, und bat ihn zugleich noch heimlicher und leiser, mir Nachricht zu bringen, was sie dazu gesagt hätte.

Drittes Kapitel.
Er sieht sie.

Mit dem dritten Tage fand ich mich völlig gesund. Der Arzt mochte sagen, was er wollte, ich blieb nicht im Bette. Das Wetter ward gegen Mittag so schön, daß er mir erlauben mußte, einen Spatziergang im Garten zu machen. Es hieß, die Gräfin werde heute auch das erstemal wieder ihr Zimmer verlassen, und in den Garten kommen. In eben dem Augenblicke, wo ich diese Nachricht erhielt, griff mir der Arzt von ungefähr an den Puls, und versicherte, mein Blut wäre sehr in Wallung. Ich fühlte es wohl, versicherte ihm aber das Gegentheil.

Ich ging mit ihm in den Garten, und in weniger als zehn Minuten sahen wir die Gräfin mit der Kammerjungfer die große Allee herabkommen, uns entgegen. »Es schickt sich wohl nicht,« sagte mein ängstlicher Führer: »daß wir in eben der Allee spatzieren gehen, wo die gnädige Herrschaft geht, wir wollen umkehren.«