Ich glühete über und über bey dieser Bemerkung, und die Gräfin, die mich nur mit einem halben Blicke von der Seite ansah, glühete wo möglich noch stärker.
»Ja,« sagte sie, »recht blaß, recht sehr blaß!« Sie drehete sich um, und that, als ob ihr ein Staubkörnchen ins Auge gefahren wäre.
»Hast du es ihm schon erzählt?« fuhr sie nach einer Pause zur Kammerjungfer fort.
Ich? sagte diese: Nein! Ihr' Gnaden wollten es ihm ja selbst erzählen.
Die Gräfin ward von neuem roth, wandte das Gesicht weg, und sagte stammelnd: es kann ein andermal geschehen! Ich habe jetzt – er wird jetzt – er darf wohl nicht lange in der freyen Luft seyn, Herr Doktor?
»So lange die gnädige Gräfin befehlen« – rief ich eilig, weil ich glaubte, der Arzt würde mir mit einem bedenklichen Achselzucken zuvorkommen. Ich war nicht wenig mit mir zufrieden, daß ich diese Worte glücklich herausgebracht hatte.
»Also kurz,« nahm die Gräfin das Wort: »man hat die Gouvernante und den Pater Benedikt auf der Gränze ertappt, und beyde nach P** geliefert. Ich erwarte in einigen Tagen nähere Nachricht. Gewiß ist es, daß sie ihrer Strafe nun nicht entgehen werden. – Aber,« fuhr sie mit weggewandtem Gesichte fort: »dadurch werden die Schmerzen des armen Wilhelms nicht gelindert!«
»Ich habe keine Schmerzen!« rief ich mit aufwallender Freude.
»Weinen möchte ich über solche Großmuth!« sagte sie zur Kammerjungfer, und legte die rechte Hand vor die Augen: »Gute Besserung, mein lieber Wilhelm,« rief sie nach einer Pause, indem sie den linken Fuß fortsetzte, und mit der rechten Hand auf mich winkte.
Ich sprang wie ausser mir hin, und ergriff diese Hand, und legte sie an mein Herz, und drückte sie, und küßte sie, und – o, ich weiß nicht mehr, was ich in diesen Augenblicken alles that!