Ich fand soeben bei einem Gange durch die Stadt, Mauern und Pumpen mit Anschlägen gegen den Prinzen von Preußen bedeckt und bestimmte Zeugnisse daß Bürger, Proletarier und Klubs fraternisiren; während Die, welche sich gute Bürger nennen, nichts thun, die Hände in den Schoß legen und abwarten, ob durch sogenannte Volksversammlungen in den Zelten, das Ministerium gestürzt, oder ganz ohnmächtig wird! Es fällt den Verblendeten nicht ein, welchem Schicksale Berlin entgegengeht, das nur vom Hofe, Soldaten, Beamten und einigen Fremden lebte. Man braucht nicht melancholisch, oder hypochondrisch zu sein, um auf den Gedanken zu kommen: in den breiten Straßen könnte dereinst Gras wachsen.

Neben dem jetzt unentbehrlichen stehenden Heere, ist die Bürgerwehr entstanden, welche durch unzählige Übungen und stete Wachtdienste Zeit, und also Erwerb und Geld verliert. Die an sich heilsame Einrichtung strebt nicht der amerikanischen nach, sondern man ergötzt sich bereits im Nachäffen mancher Bocksbeuteleien der europäischen Soldaten. Bei den Stadtverordneten kam eine heftige Klage zur Sprache, daß Soldaten die (ganz unnütze) Wache bei Montbijou besetzt hätten, wodurch die Freiheit in Gefahr gerathe (!!), und die gehorsame Behörde unterstützte das lächerliche Gesuch; während gleichzeitig berichtet wurde: 10 zur Wache berufene Bürger hätten sämmtlich geantwortet: sie würden nicht kommen, denn sie hätten etwas Besseres zu thun, als dort Maulaffen feil zu bieten. — So die Disciplin und die sogenannten Volksansichten. Jeder Haufen von Tagedieben nennt sich Volk, und die lieben Bürger fürchten sich vor den Barricadenhelden!

Den 17. Mai.

Die Stadt ist wieder mehre Tage in Aufregung gewesen, welche das Ministerium wohl hätte vermeiden können. Doch ist es beim Reden geblieben und bei Maueranschlägen. Zuletzt gewannen Gottlob die Besseren die Oberhand, und bis zur Eröffnung des Landtages werden die Böswilligen wenigstens nichts durchsetzen. Charakteristisch daß die Wahlmänner zweimal eine Mehrheit für den Republikaner B. erstritten, und die Bürger ihn bei der Stadtverordnetenwahl unter bittern Vorwürfen haben durchfallen lassen. — Ebenso merkwürdig daß Arbeiter, denen Mitglieder des (fast terroristischen) politischen Klubs vorgestellt hatten, sie möchten faul sein um länger beschäftigt zu werden, die Schändlichkeit des Rathschlags einsahen, in die Versammlung drangen und die Verführer (wie Einige behaupten) selbst mit Schlägen bedienten. All jener Gefahren würden wir gewiß Herr; daß Frankreich aber den edlen, friedliebenden Circourt abruft und Arago hersendet, der seines Terrorismus halber aus Lyon verjagt ward, daß man im Marsfelde die Bildsäule Deutschlands aufstellt, ist eine nur zu bestimmte Hinweisung auf Krieg und Zerrüttung unseres unglücklichen Vaterlandes. — Durch Mittel der ärgsten Art wirken die polnischen Edelleute überall zur angeblichen Herstellung ihres Vaterlandes. Beharren sie auf diesen Wegen, so ist nach 30 Jahren (wie Galizien zeigt) keiner mehr von ihnen übrig; haben sich doch schon im Posenschen die polnischen Führer zu den Preußen retten müssen, um nicht von ihren eigenen Landsleuten erschlagen zu werden.

Den 20. Mai.

Gestern war die Wahl des Abgeordneten für Frankfurt. Die Radikalen stellten den Vierfrager Jacobi mir gegenüber. Als die Wahlzettel verlesen wurden und es hieß: Geh. Rath v. Raumer, oder Professor v. Raumer, oder Friedrich v. Raumer, so erklärte ein Stimmzähler diese Zettel für nichtig; denn es gebe mehre Geh. Räthe, Professoren und Friedriche v. Raumer. Dennoch erhielt Jacobi nicht die Mehrheit; bei der zweiten Abstimmung waren etliche auf meine Seite getreten, und ich ward als Erwählter verkündigt. Jacobi dagegen ward nun zum Stellvertreter erwählt, und die Versammlung aufgehoben. Nachher haben einige Eiferer erklärt: sie protestirten, meine Wahl sei nichtig. Und ich erklärte: erst wenn meine Wahl unbedingt für gesetzmäßig erklärt werde, würde ich nach Frankfurt gehen, keineswegs aber mich der Gefahr aussetzen, durch irgend einen Spruch, mit Spott und Hohn zurückgeschickt zu werden. — Ich wollte mich nicht wieder zum Stadtverordneten wählen lassen. Da aber meine Mitbürger (die sich stets aufs Allerfreundlichste gegen mich benahmen) es dringend wünschten und von 219 Stimmen 205 für mich fielen (während mehre Radikale in anderen Bezirken durchgefallen sind), habe ich, um den Schein feigen Rückzugs in schweren Zeiten abzuwälzen, die Wahl zunächst für ein Jahr angenommen. Helfe Gott weiter!

Den 21. Mai.

In dem Augenblicke, wo ich gestern die Bestätigung meiner, als unantastbar bezeichneten Wahl für Frankfurt erhielt, bekam ich die Nachricht daß ich auch in Quedlinburg und im Ascherlebischen Kreise für den berliner Reichstag sei gewählt worden. Nach ernsten Überlegungen habe ich mich für Frankfurt entschieden und reise heute nach Dessau, dann über Köln nach Frankfurt.