Zweiter Brief.

Frankfurt a. M., den 25. Mai 1848.

Spaziergang durch den sehr schönen Garten von Biberich. Auf der Eisenbahn nach Frankfurt. Ankunft im Weidenbusch, 10 Uhr Abends. Heut war ich zum ersten Mal in der Reichsversammlung. Sehr zahlreich, vom entfernten Platze sehr schlecht gehört. Viel unnütze Anträge, schnell und verständig genug beseitigt. Kein Lärm, Gagern guter Präsident. — Nicht abzusehn wo hinaus, wann und welch Ende! — Melancholisirt. —

Den 26. Mai.

Ich fahre fort in meinem lakonischen Tagebuche. — Gestern Nachmittag ordnete ich Alles in meiner sehr hübschen Wohnung, las die ganz verständige Geschäftsordnung für den Reichstag und ging dann zum pariser Hofe, wo (wie es hieß) die preußischen Abgeordneten sich versammelten. Hier fand ich solch Gedränge der Essenden, Trinkenden, Sprechenden, so unerträgliche Hitze und so verdorbene Luft, daß ich des Reiches Wohlfahrt daselbst nicht berathen konnte, sondern mich auf die Flucht begab.

7 Uhr Abends.

Heute waren, wie auch gestern, sehr viele Zuhörer in der Versammlung, darunter fast die Hälfte Damen, welche meist bis zum Schlusse beharrlich aushielten. Ich hatte mir einen näheren Platz ausgesucht und hörte, wenn auch nicht gut, doch besser wie gestern. Auch fehlte es nicht an Zurufen, lauter zu sprechen. Der Hauptvortrag betraf die mainzer Angelegenheit. Der Bericht der Commission war ruhig und unparteiisch gehalten; desto leidenschaftlicher und theatralischer eine, besonders gegen die Preußen gerichtete, Rede eines mainzer Abgeordneten Zitz. Die ultraliberale Partei, welche am meisten von Deutschlands Einheit spricht, gab Äußerungen den höchsten Beifall, welche es in Wahrheit zersplittern müßten. Lichnowski widerlegte geschickt genug mehre Punkte, nur war auch er zu heftig und überschrie sich so, daß man ihn kaum verstehen konnte. Robert Blum (Mitglied der Commission) sprach über sie, wie Antonius über Brutus. Sehr gut redete der österreichische Bundestagsgesandte. Welcker, der Badener sprach, mir unerwartet, durchaus conservativ. N., immer auf Allgemeinheiten hinsteuernd, ohne besonderen Anklang. Zum größten Verdrusse der radikalen Partei beschloß die große Mehrheit zur Tagesordnung überzugehn, d. h. die Sache in der Erwartung fallen zu lassen, die Regierungen würden von selbst das Erforderliche thun.

Die entgegengesetzte Absicht ging dahin: die Verwaltung und die vollziehende Gewalt, plötzlich oder allmälig an sich zu ziehen. Das wäre ein unbedingter Despotismus, welcher Widerstand und Auflösung, selbst der Versammlung, nach sich ziehen müßte. — Die ganze Verhandlung war sehr anziehend und der Beschluß beruhigend.

Den 27. Mai.