Der jüngere A. — klagt bitterlich daß Lamartine seinen Onkel mit lauter Unwahrheiten hingehalten und bedient habe: es sei vorsätzlich, oder aus Selbsttäuschung, oder weil er Vieles nicht gewußt habe.

Den 6. September.

Gestern Abend fuhr ich mit W. zum General Cavaignac. Die Zimmer waren so mit Menschen überfüllt, daß man sich nicht regen und bewegen konnte. So war es vor drei Monaten bei Lamartine, so — wird es sein —? —?

Man klagt über Mangel an Freiheit, Preßbeschränkung, Klubauflösung, militairische Tyrannei; — und muß doch anerkennen, daß dies Alles nothwendig, und die geringeren Uebel sind.

Uebrigens tragen die Leute, trotz des Republikanismus, gern Orden, wenn sie sie haben.

Gestern lief eine Fliege an der Decke meines Wagens gar eifrig hin und her; sie bildete sich wahrscheinlich ein, ihre Pflicht zu erfüllen und zum Fortkommen des Wagens viel beizutragen. Bin ich nicht auch eine Art diplomatischer, hin und herlaufender, redender, schreibender Fliegen? — Die Langeweile zieht schon langsam ein, und Mery’s schwache Romane, und Dumas’ Monte Christo werden die eintretende Leere nicht hinreichend ausfüllen. Zuletzt lese ich diese Bücher nur der Sprache halber. Andererseits bin ich hier weniger geschoren und mit Geschäften überhäuft, wie in Frankfurt, auch ist die Lebensart gesunder; endlich muß ich eingestehen, daß ich keine Sehnsucht nach Fakultätssitzungen und Hörsälen habe. So nützlich wie dort, bin ich hier und in Frankfurt alle Tage.

Den 7. September.

Ein Herr wunderte sich gestern allzu viel über Das, was man in Deutschland thue und bezwecke; worauf ich mir die Erlaubniß nahm, über manches Französische mein Erstaunen auszudrücken, und so das Gleichgewicht Europas herzustellen.

Viele gestehen: daß die Republik in Frankreich keineswegs allgemein Beifall finde, den letzten Wahlen durch übereilte Begeisterung, Einschüchterung, ja Gewalt, eine demokratische Richtung gegeben worden, und neue Wahlen in anderem Sinne ausfallen dürften. Daher werde die jetzige Versammlung ihre Auflösung so lange als möglich verhindern; wenn sie aber die Gesinnung des Landes nicht mehr ausdrücke, ihr Ansehen verlieren und gestürzt werden. — Gestern kam noch zur Sprache: daß Louis Philipp durch Ernennung unbedeutender und serviler Personen, Ansehen und Macht der Pairskammer untergraben und dadurch mittelbar eine Vorliebe für das Einkammersystem herbeigeführt habe.

Daß man nun doch die Vermittelung Frankreichs und Englands in Wien angenommen, erfreute Hrn. Bastide sehr; die Zeitungsnachricht: „man habe in Frankfurt den Waffenstillstand mit Dänemark verworfen,“ erzeugt dagegen überall den größten Unwillen. Man behauptet, dies sei schlechterdings thöricht und unverständig, und es werde Frankfurt in Mißcredit bringen, Streit und Unglück erzeugen — u. s. w. Ich hoffe, die ganze Nachricht ist unwahr. Gewiß würde Frankreich und England, — auch wohl Preußen —, die Sache dauerhaft übel aufnehmen. Ich schreibe dies in höchster Eile, um die Post nicht zu versäumen.