Endlich ist er mir nach mehrfachem vergeblichen Bemühen gelungen, den sehr beschäftigten und überlaufenen Hrn. Minister Bastide zu sprechen, und zwar

1) über die deutschen Schutzlager;

2) über die gesandtschaftlichen Verbindungen zwischen Frankreich und der deutschen Reichsgewalt;

3) über die italienischen Angelegenheiten.

Obwohl Hr. Bastide die hierauf bezüglichen Schreiben aus Frankfurt kannte, und ich ihm Ähnliches wie dem — bereits gesagt hatte, nahm ich mir die Erlaubniß noch Folgendes hinzuzufügen:

Zu 1) Die Reichsgewalt hat zum Schutze der Ordnung und des Eigenthums den von der französischen Regierung bei ähnlichen Gefahren betretenen Weg ebenfalls eingeschlagen. Da nun Hr. Minister Bastide mir früher selbst sagte: „er halte es für ein Verbrechen, Aufrührer in einem fremden Staate mit Heeresmacht zu unterstützen oder auch nur durch eine Propaganda zu fördern“ — so zweifle ich nicht, daß er in diesem Augenblicke wird bestimmte Befehle ergehen lassen, daß aus Frankreich keine Mannschaft den Aufrührern zugewiesen und keine Kriegsmittel ihnen eingehändigt werden.

Zu 2) Die Annahme des erzherzoglichen Schreibens und die sehr freundliche Art, mit welcher der Hr. Minister mich behandelt, ist allerdings ein erwünschter Anfang zur Anknüpfung diplomatischer Verhältnisse; — aber es ist doch nur ein Anfang. Nachdem die Gründe der ersten Zögerung sämmtlich beseitigt sind, und in Frankfurt ein gemäßigtes und kräftiges Ministerium neu gebildet und befestigt ist; nachdem dessen ernste Maßregeln die Einigkeit mit den einzelnen Staaten verstärkt und das Vertrauen erhöht haben; nachdem die Nothwendigkeit einer Reichsgewalt ins hellste Licht gesetzt und ihre heilsame Wirksamkeit erwiesen ist; — möchte kein irgend haltbarer Grund vorhanden sein, auf jenem diplomatischen Wege nicht weiter vorzuschreiten und einige Gesandte in Frankfurt und Paris anzustellen oder zu accreditiren. Sobald die französische Regierung die Thatsache anerkennt, daß eine Reichsgewalt gegründet und ein Reichsverweser erwählt ist, so muß sie folgerecht auch auf Das eingehen, was damit unzertrennlich verbunden ist oder daraus entspringt. Wenn Gesandte kleiner deutscher Staaten von Neuem in Paris accreditirt werden und ihre Geschäfte (nach dem technischen Ausdrucke) officiell führen, so erscheint es auf die Dauer unpassend, daß ein Beauftragter der Reichsgewalt jenen nachsteht und nur in officiöser Weise gehört wird. Ich erlaube mir daher die Bitte: daß der Hr. Minister gütigst angebe, in welcher Weise diese Zweifel und Mißverständnisse am besten bald zu lösen sind.

Zu 3) Nach Wiederholung des bereits Geschriebenen und Gesagten, fügte ich hinzu: Seitens der Österreicher wird laut behauptet, daß ohne französische und englische Einmischung der italienische Friede längst würde geschlossen sein, und jedes Hinausschieben der Verhandlungen die Kriegsleiden, die Ausgaben, die Störungen des Verkehres u. s. w. verlängere und erhöhe. Deutschland hat das größte Interesse an einer baldigen Herstellung des Friedens, und seine Theilnahme kann und wird den edeln Zweck nur befördern. Wenn beide oder alle kriegführenden Staaten (Österreich, Sardinien, Neapel) dies einsehen und anerkennen; wie kommt England und Frankreich dazu mehr Besorgnisse zu hegen und gewissermaßen ein Monopol in diesen Angelegenheiten zu verlangen? Deutschland wünscht sehnlichst, immerdar mit Frankreich in den freundschaftlichsten Verhältnissen zu leben; es macht weder anmaßende, noch unbillige, noch unnatürliche Forderungen, es wünscht nur Zeichen wechselseitiger Anerkennung und gegenseitigen Vertrauens. Durch williges Eingehen in die heute besprochenen drei Punkte, legt Frankreich mühelos ein moralisches Gewicht in die Wagschale Deutschlands, und dies wird dankbar die gezeigte Freundschaft anerkennen und die für Frankreich günstige Stimmung verdoppeln. Ein entgegengesetztes Verfahren wird und muß auf dieselbe nachtheilig wirken u. s. w.

Auf diese und ähnliche Vorstellungen antwortete Hr. Minister Bastide: