Zu 1) Er freue sich sehr über die Kraft und den Muth, welchen die Reichsregierung in der letzten Zeit entwickelt habe, billige die Aufstellung der Schutzlager und sehe darin durchaus nichts, was seitens der französischer Republik Besorgnisse erregen könnte.
Zu 2) Er sei bereit, bei den jetzigen Verhältnissen einen französischen Gesandten förmlich in Frankfurt zu accreditiren und seitens der Reichsgewalt in Paris accreditiren zu lassen. In so weit, als jedoch die deutsche Reichsverfassung noch nicht in allen Theilen festgestellt und angenommen sei, geschehe dies natürlich ohne Präjudiz für künftige, vielleicht anders gestaltete Verhältnisse.
Zu 3) Er habe seinerseits jetzt (nach dem Obsiegen der Gemäßigten) gar nichts dagegen, daß ein deutscher Abgeordneter an den Verhandlungen über Italien Theil nehme. Da jedoch von Preußen ein ähnliches Gesuch gestellt worden, und Frankreich durchaus mit England in Übereinstimmung handeln wolle, so werde man eine gleichlautende, und wie er hoffe, genügende Antwort ertheilen. Es hat für mich keinen Zweifel, daß lediglich der in Frankfurt gezeigte Muth und die Festhaltung an den früher aufgestellten Grundsätzen die hiesige Regierung günstiger stimmte, und jedes heftigere Auftreten meinerseits früher keinen Erfolg, sondern nur ungünstige Antworten (mit Bezug auf die Verwerfung des Waffenstillstandes von Malmoe) würde herbeigeführt haben.
Achtundsechzigster Brief.
Paris, den 28. September 1848.
Bei Cavaignac, Trouvé, Lamoricière ist Abends ein Gedränge, daß man sich nicht rühren kann; bei Thiers waren gestern vier bis sechs Herren! So wechselt Gunst und Andrang nach Maßgabe von Macht und Einfluß. O der Eitelkeiten!
Den 29. September.
Wenn Sie (und ähnlicher Weise mehre Zeitungen) bemerken und rügen, daß die Erklärung im Moniteur über die Annahme des Schreibens des Reichsverwesers nicht genügend und entsprechend sei, so bin ich ganz damit einverstanden, und Annahme wie Bekanntmachung sind zwischen Hrn. Bastide und mir umständlich besprochen worden. Ich habe Das, was Sie schonend rügen, hier viel nachdrücklicher gelten zu machen versucht. Wenn ich hierüber nicht zu meiner Rechtfertigung Genaueres schrieb, so hatte dies mehre Gründe. — Als ich hier ankam, war Hr. Bastide durch gewisse Vorübungen und Vorbereitungen des Hrn. — (auf die ich nicht wieder zurückkommen mag) so gereizt, daß schon ein Schreiben entworfen war, welches den Brief des Erzherzogs und meine Annahme ganz ablehnen sollte. Mein erstes Auftreten wirkte so beruhigend, daß es bei Seite gelegt wurde. Alle Hindernisse waren allmälig beseitigt, als man in Frankfurt den Waffenstillstand verwarf. Die Actien des Reichstages und der Reichsgewalt sanken hierdurch dergestalt, daß Hr. Minister Bastide erklärte: er wolle mit einem Ministerium Dahlmann oder Hermann gar nichts zu thun haben. Ich darf ohne Eitelkeit und Hochmuth behaupten, daß in diesem Augenblicke, wo irgend ein Zeichen des Zutrauens der französischen Regierung so erwünscht war, meine dringende Vorstellungen bei dem (gegen mich persönlich so außerordentlich freundlichen) Hrn. Minister Bastide es bewirkten, daß die Annahme des Schreibens nicht ganz ins Unbestimmte hinaus verschoben ward. Jede schärfere, bruskirende Forderung über die Art der Annahme und Bekanntmachung hätte in jener Zeit der kläglichen frankfurter Anarchie nicht zu günstigeren Ergebnissen, sondern zu den unangenehmsten schriftlichen Erklärungen geführt.