— Venia est haec sola pudoris,
Degenerisque metus, — nil jam potuisse negari!
Ich breche ab aus Besorgniß, Ihr werdet über meine lateinischen Anführungen zu sehr schelten. Laßt sie Euch von einem der vielen schulgelehrten Freunde übersetzen, und Ihr werdet für ihren Werth stimmen.
Den 30. Januar.
Gestern hatte ich die redliche Absicht, im Casino den Vorberathungen über einen neuen Theil der Verfassung (die Gewähr) beizuwohnen; aber eine Unzahl dampfender Cigarren verdarben die Luft dergestalt, daß ich Kopfschmerzen und Augenschmerzen bekam, und meinem einfachen Abendbrote im Schwan nachging.
Daheim las ich Jackson’s Landreise von Bassora bis Hermannstadt, und Degrandpré’s Reise nach Congo und Loango. Beide bestätigten mir (gleichwie Cochrane), daß es trotz aller Mängel bei uns (und überhaupt unter gebildeten Völkern) besser leben ist, als unter rohen, oder ausgearteten. Degrandpré erzählt, daß die Prinzessinnen in Loango einen Gemahl wählen nach Laune und Geiz, und daß sie ihn (sobald sie sein Vermögen durchgebracht) verstoßen und einen Anderen aussuchen. Ein solcher Mann (fährt Degrandpré fort) darf bei Lebensstrafe keine andere Frau haben; er darf sogar keine andere sehen, oder von ihr gesehen werden, und wenn er ausgeht, geht ein Neger mit einem Glöckchen vor ihm her und verkündigt, daß er erscheinen wird. Und auf dieses Zeichen kehren sich die Weiber um und halten die Hände vor die Augen, wenn sie nicht anders ausweichen können. Die Lage des Gemahls einer Negerprinzessin ist sehr traurig, zumal wenn sie alt und häßlich ist, und viel fordert.
Heute wurden einige sehr quere Reden über die Gewähr der Reichsverfassung, aber auch einige gute, und eine vortreffliche von Bassermann gehalten.
Hundertvierter Brief.
Frankfurt a. M., den 31. Januar 1849.
Seit langer Zeit endlich eine politische Freude! Darüber nämlich: daß Preußen endlich sein Schweigen gebrochen, und in einer Weise, wie es ihm unter den deutschen Staaten und Fürsten zukommt, die Initiative ergriffen hat.