Zweitens, Preußen kann sich um die Kaiserwürde nicht bewerben und der Gefahr des Zurückweisens aussetzen; es darf sich um einiger frankfurter Stimmen willen nicht ganz mit Österreich (ja vielleicht auch mit anderen Mächten) überwerfen, und der Ruf: „das preußische Volk wird den König zwingen“! will die Gesundheit starken, durch Einimpfen einer neuen Krankheit!

Drittens, Österreich will weder freiwillig aus dem deutschen Bunde scheiden, noch sich gutwillig und gehorsam hinausweisen lassen. Wer soll, wer kann es zur Unterwerfung zwingen?

Viertens, Österreich erklärt feierlich: es werde eine deutsche, über dasselbe hingestellte, Reichsmacht nicht anerkennen.

Fünftens, es verwirft wesentliche Punkte der hier vorläufig angenommenen Verfassung, insbesondere die Sätze 2 und 3.

Die hiesigen Urheber der Verfassung wollen (so scheint es) aus dem Allem erweisen, daß Österreich aus Deutschland ausscheiden und die österreichischen Abgeordneten die Paulskirche verlassen müßten. Der Verfassungsentwurf sei unverändert aufrecht zu halten und nunmehr rasch und mit Nachdruck durchzusetzen. Sie bleiben bei der allgemeinen Verehrung ihres abstrakten Werkes stehen, haben sich um die Möglichkeit seiner Verwirklichung, um den Inhalt der bis jetzt ganz leeren Form, gar nicht bekümmert und glauben mit Hülfe ihrer Paulskirchenallmacht jede Schwierigkeit, jeden Widerspruch leicht zu beseitigen. Ob aber Fürsten und Volksstämme dem Allem beistimmen, ob die (fast immer uneinige) öffentliche Meinung sich dafür erklären werde, ob man Hindernisse mit Gewalt wegräumen dürfe und könne; — diese, und ähnliche praktische Fragen lassen sich nicht kurzweg und von oben herab zur Seite werfen.

Wenn sich Österreich vom deutschen Bunde trennt, so ist zu befürchten daß die daselbst wohnenden Deutschen sich nach 100 Jahren zu ihrem Vaterlande so verhalten werden, wie die Elsasser, Kurländer und Liefländer; sie sind in Gefahr daß die zahlreicheren fremden Völkerstämme sie absorbiren und beherrschen.

Andererseits erfordert die Unparteilichkeit zu gestehen: man widersetze sich mit Recht der Richtung, welche für Deutschland eine neue Zeit, lediglich durch eine Art von Herstellung des alten Bundestages herbeizuführen wähnt. Die einzige Rettung liegt in wechselseitiger Verständigung und Mäßigung; die erste darf sich aber nicht auf einseitige Befehle gründen, und die letzte nicht in ein schwächliches Verläugnen und Aufgeben aller Grundsätze hinabführen. Diese Gefahr ist jedoch in unseren Tagen deshalb nicht gar groß, weil man alle Weisheit meist in dem Äußersten, den Extremen sucht, und angeblich auch daselbst findet.

— — Gestern Abend ging ich noch einmal in den, schon oft mit Beifall gegebenen, Sommernachtstraum. Man kann mit der Aufführung sehr zufrieden sein; unter Anderen spielten die beiden Liebespaare viel frischer und lebendiger als gewöhnlich, die Handwerker ergötzlich und die Hausmann (Puck) keck, heiter und anmuthig, ohne in falsches Kokettiren, oder Übertreiben hineinzugerathen. Ich fand Lehre und Trost außerdem darin, daß es neben so vielen vergänglichen Wirklichkeiten, ewige, beseligende Träume giebt!