In all den Noten der Kleinkönige spricht sich nichts aus, als der Götzendienst mit ihrer eigenen Majestät und die Furcht vor einem Kaiserthume, das Jeder gern annähme, aber Keiner dem Anderen gönnt. — Für den Fall aber, daß man das Kaiserthum bei Seite stellte und auf ihre Besorgnisse Rücksicht nähme, bieten sie denn einen Ersatz? Sie bieten nichts; sie schweigen, und hoffen nach unserem Verstummen allein das große Wort zu führen. Gehen wir aber wirklich so jämmerlich zu Ende, wie 1448 die baseler Kirchenversammlung; so werden nicht 69 Jahre vergehen, ehe ein zermalmender Luther aufsteht, und ihm folgend das ganze Volk!
Den 23. Februar.
Gestern ward ich dafür gestraft, daß ich vorstehend auf die Könige und Regierungen gescholten; ich mußte nämlich in der Paulskirche zwei Reden anhören, welche Proudhon’s und Raspail’s Beifall würden erhalten haben. Diesmal war indeß die Versammlung nicht milder gegen Meuterer und Spitzbuben, als gegen Beamte und Minister, und ließ sich nicht aufreden: kein politisches Verbrechen dürfe den Verlust des Wahlrechtes nach sich ziehen.
Gottlob, daß die aufsteigenden Gefahren den Muth der Abgeordneten (so scheint es) nicht schwächen, sondern stärken; daß sie dessen eingedenk bleiben, was sie sich, ihren Machtgebern, ihrem Vaterlande, ja, der Welt und Weltgeschichte schuldig sind. Schon haben über 200 Mitglieder die Euch mitgetheilten Beschlüsse für den Bundesstaat unterschrieben, und die sich eigenwillig Zerstreuenden sehen immer mehr ein, es sei nothwendig, sich über Hauptsachen zu vereinigen und zusammenzuhalten.
Den 24. Februar.
Heute feiern die deutschen und Reichsdemokraten in Mainz den Geburtstag der französischen, und reden und trinken auf das Gedeihen der künftigen deutschen Republik. Daß die erste mißglückt ist, können sie nicht mehr läugnen, und ebensowenig, daß sie gehaßt wird. Aus so gewaltigen, furchtbaren, mißlungenen Versuchen ist die rasche Rückkehr zu irgend einer dauernden, gemäßigten Herrschaft aber unendlich schwer; und wo ein anerkannter Schwerpunkt fehlt, um welchen man sich bewegt, kann eben diese Bewegung keine geregelte und beglückende sein. Deshalb werden die Franzosen ihren eigenen Mitbürgern noch oft zurufen: vae victis, weh den Besiegten! und muthige Generale (wie Cavaignac, Changarnier und Bedeau) werden mit dem Schwerte den Takt dazu schlagen.
Lügen die Zeitungen nicht (wie ich diesmal hoffe), welch eine neue Probe alter, schmachvoller Diplomatik gäben alsdann die baierschen Minister und Gesandten! Bevor sie einer, von ihnen selbst anerkannten, deutschen Reichsversammlung nur ein freundliches Wort der Verständigung gönnen, klagen sie dieselbe vor fremden Regierungen an, ja, fordern diese (weil es den Ehrgeizigen und Eigennützigen in ihren Bettelkram einer angeblichen Großmacht dient) deutlich genug auf, sich in deutsche Angelegenheiten zu mischen! Und der Königseid wird in einer Weise gedeutet, daß er jede großartige Verbesserung deutscher Zustände unmöglich machen würde! In ähnlicher Richtung bewegte sich — schon früher und hielt mich für so dumm, daß ich nichts davon merke; weil ich unsere schwarze Wäsche nicht (wie Napoleon sagte) vor französischen Urtheilern waschen und Waschweibergezänk dazu führen mochte.
Hundertsiebzehnter Brief.
Frankfurt a. M., den 25. Februar 1849.
Morgen (wird angekündigt) sollen uns die gemeinschaftlichen Erklärungen der deutschen Staaten (nur mit Ausnahme von Hannover und Österreich) über den Verfassungsentwurf mitgetheilt werden. Gebe Gott, daß sie genügen, um zum Ziele zu kommen! Gestern Abend war eine neue Versammlung im Weidenbusche; sie bildet, wenn keine Mehrzahl, doch eine sehr starke Minderzahl, und ist in sich einiger, als die Gegner, zu denen leider Absolutisten, Republikaner, Österreicher, Baiern, Ultramontanen u. s. w. mit ganz verschiedenen Ansichten und Absichten gehören.