So von verschiedenen Seiten verschieden angeregt, hielt ich zuletzt fest an Weber’s Musik, die mich aber (verbunden mit dem Andenken an seine Person) in eine sehr sentimentale Stimmung versetzte. Mehre Male habe ich seine Preziosa wider ihn selbst in Schutz genommen und sie höher gestellt, als er wollte. Er nannte sie, halb mitleidig, einen Jugendversuch: — warum muß die Jugend alt werden!?

Den 6. März.

Gestern ward der tüchtige Simson wieder zum Präsidenten erwählt. Er sprach mit Bestimmtheit davon, daß wir unser großes Werk (trotz aller Hindernisse) gewiß würden zu Stande bringen; und wie gern lasse ich mich überzeugen. Denn, obgleich ich gerade nicht veranlaßt bin auszurufen: Herr, hilf meinem Unglauben! so kann ich doch der Zweifel nicht ganz Herr werden und fühle (wie man sagt) eine Art historischen Kalenders in meinen Gliedern. Sollten wir aber nach den Überschwemmungen von 1848, in diesem Jahre auf großer Dürre stehen bleiben und keine Ernte, keinen Herbst haben; so ist deshalb noch nicht aller Tage Abend und man muß Thätigkeit und Hoffnung auf 1850 übertragen.

Gestern ging ich, bei schönstem Wetter, mit den Fräulein Jung, nach einer Anhöhe seitwärts von Sachsenhausen, wo man eine reiche Aussicht hat; heute hingegen deutet Alles wieder auf Regen!

Ebenso geht das politische Barometer und Thermometer auf und ab: daher Erkältungen und Erhitzungen des Leibes und des Geistes. Der Umfang und die Frechheit der Wühlereien und aufrührischen Reden steigt mit der Jahreszeit, welche den Äquinoktialstürmen naht. Selbst Mitglieder der Reichsversammlung wirken in dieser Richtung. Mindern nun die Regierungen die Kraft der Gemäßigten, durch übertriebene Rücksicht auf örtliche Interessen und hülflose Souverainetätsgelüste; hoffen sie hiedurch den (wie sie glauben thörichten) Gedanken von einem einigeren Deutschlande, von einem Bundesstaate zu vereiteln und auszurotten; so werden sie durch blutige, republikanische Versuche hindurch, einen despotischen Einheitsstaat herbeiführen. Für jetzt richten sich die Haupteinwendungen der königlichen Regierungen wider die Vorschläge vom Reichsoberhaupte; es fällt aber gar nicht schwer ebenso gewichtige Einreden gegen den Vorschlag zu erheben, eine apokalyptische (böse) Sieben an die Spitze zu stellen.

Es ist sehr natürlich, daß die Reichsversammlung (bei dieser Unentschiedenheit) mit den mannigfachsten Bittschriften und Verfassungsplanen überschüttet wird, welche einem Ausschusse zur Prüfung übergeben werden, in der Regel aber zu den Akten gehen. Nur einzelne werden gedruckt, oder sogleich gedruckt eingeschickt. Zur Probe lege ich eine bessere des Bürgervereins von Nürnberg bei.

Täglich treten Mitglieder unserer Versammlung aus, oder nehmen Urlaub. So sehr dies einerseits die Neigung erhöht Ähnliches zu thun; so wächst andererseits die Nothwendigkeit zusammenzuhalten und die von allen Seiten angegriffene Feste nicht durch Zerstreuung der Besatzung preiszugeben.

Hunderteinundzwanzigster Brief.

Frankfurt a. M., den 7. März 1849.