Gestern Mittag ward der wesentliche Inhalt der gestrigen Sitzung nach Berlin telegraphirt, und um 2 Uhr hatten wir Antwort von der glücklichen Ankunft des Berichtes. Hoffentlich wird er günstig auf die Adressen wirken; obwohl die Schwadronir- und Amendementsstaupe auch dort vorherrscht, wenn allein Hansemann deren zehn zur Adresse eingebracht hat.
Die Österreicher bekamen gestern einen neuen Stoß, da Gagern auf eine Anfrage erklärte: ihre Regierung habe binnen zwei Monaten nicht einmal die Höflichkeit gehabt, auf die Schreiben des Reichsministerii und des Erzherzogs über die Anordnung des Verhältnisses zu Deutschland, irgend eine Antwort zu ertheilen.
Den 14. März.
Vorgestern Abend stellte ich im Weidenbusche vor: der Antrag, von der angekündigten Tagesordnung abzuweichen, werde von den Gegnern als Eingriff in die gesetzliche Ordnung dargestellt werden, uns gar nichts nützen, wohl aber eine Niederlage zuziehen. Meine Einreden fanden kein Gehör, ich blieb in der Minderzahl; meine Weissagung ist aber gestern leider eingetroffen. Zu spät sagte man mir: ich habe Recht gehabt! — Ebenso wies man meinen Vorschlag zurück: da alles Andere noch nicht hinreichend vorbereitet sei, möge man der dringenden Eile halber, morgen die Anträge über den Schutz der Auswanderer berathen; dennoch ward jener Vorschlag in der Paulskirche angenommen. Ich bin nicht eitel genug, mich solcher Siege zu freuen.
Während des Abstimmens entwickelte ich gestern Hrn. V. — die Gründe für die Öffentlichkeit der Wahlen. Er beharrte auf seinem Widerspruche, weil die geheime Abstimmung seiner Partei freieres Spiel lasse, und fügte hinzu: die Regierungen können zu den Wahlen keine Beamten und noch weniger Soldaten hinsenden, und durch dieselben wirken; wir hingegen schicken ein Dutzend Kerle mit tüchtigen Knitteln, die werden schon Eindruck machen.
Die Berathungen in dem zahlreichen, preußisch gesinnten Casino waren gestern Abend (wie jetzt alle Berathungen und Versammlungen) von Wichtigkeit und Interesse. Es blieb die Hauptfrage: ob man die Welckerschen Anträge (ich lege ein Exemplar derselben bei) sammt und sonders annehmen, und ob man einige Zugeständnisse machen solle, oder nicht. Die Meinungen gingen sehr auseinander, und während Einige fest auf gewissen Theorien beharrten, wollten Andere nachgiebiger sein, um mit Sicherheit ein erwünschtes Ziel zu erreichen.
Die Hauptstreitpunkte sind folgende:
1) Das unbedingte, oder aufschiebende Veto. Für die Theoretiker beider Parteien eine Frage von unendlicher Wichtigkeit! In der Praxis (wie z. B. England seit 150 Jahren zeigt) fast gleichgültig. Man ändert das Ministerium, oder die Kammern, ohne zum schroffen Nein seine Zuflucht zu nehmen. Ja, in Amerika hat der Präsident (trotz seines nur suspensiven Veto) jedesmal obgesiegt; weil er es nur auf vernünftige Weise einlegte.
2) Die Erblichkeit des einen Reichsoberhauptes. Sie ist ohne Zweifel besser als jede Mehrheit, Wechsel, Turnus u. s. w. Kann man sie aber nicht durchsetzen, so sind 6 Jahre jetzt schon eine halbe Ewigkeit; Preußen behält nach 6 Jahren dasselbe Gewicht, ja verstärkt dasselbe und; — kommt Zeit, kommt Rath.