Umständlicher sprach ich, in dem Euch bekannten Sinne, zur Beseitigung von Zweifeln und zur Berichtigung von Ansichten über Veto, Erblichkeit, Wahlberechtigung, unmittelbare und mittelbare Wahlen, Öffentlichkeit u. s. w. Hieran ging ich über zu einer Prüfung aller österreichischen Vorschläge, und suchte mit Schärfe und Bestimmtheit zu beweisen (es ist nicht schwer), daß sie anmaßend, ungerecht, thöricht und schädlich sind; von den sieben schwatzenden oder schlafenden Prinzen, bis zur Verwerfung des Volkshauses und dem Gebote: Deutschland solle in den alten, elenden Verhältnissen beharren, ja sie noch verschlechtern! Ich schloß mit einem Angriff gegen die Politik der Könige — — —
Meine Stimme war nur eine einzelne in einem großen harmonischen Chore! Sehr löblich brachte jeder Einzelne Meinungen zum Opfer, um Einigkeit zu erzeugen und Stärke zu gewinnen. 225 Abgeordnete gelobten einmüthig, für den (uns vorläufig schon bekannten und gestern Abend vorgelegten) Antrag des Ausschusses zu stimmen; wir haben gerechte Hoffnung, daß sich noch Mehre anschließen werden, und wenn wir dennoch (wie Blücher bei Ligny) unterliegen, werden wir bei Waterloo nicht fehlen!
Man kann unzählige Gründe beibringen, warum wir nach zehn Monaten (mit der gerühmten deutschen Gründlichkeit) noch zehn Monate berathen müßten. Im Angesichte der dringenden Gefahren von Außen, der Volksungeduld, der Wühler, der wilden Feinde alles Gelingens, der dummen oder schlangenlistigen Diplomaten, der verblendeten Fürsten, — ward es aber zur heiligen Pflicht, den kühnen Sprung zu wagen, der uns aus scheiterndem Fahrzeuge hoffentlich an ein sicheres oder doch minder gefährliches Ufer bringt. Um wie viel es sich handelt, zeigte Euch schon der Welckersche Antrag; der anliegende Ausschußbericht ist noch viel bestimmter, umfassender, entscheidender, muthiger. Zu diesem Muthe gesellt sich (wie selten ist dies) aber auch die Demuth: wir wollen unsere Macht nicht verlängern, wie das lange Parlament in England; das Volk nicht zwingen, uns in die zweite Reichsversammlung aufzunehmen, wie der Convent in Frankreich: — sondern mit dem Bewußtsein vor Gott und Menschen recht bald in unsere Heimat zurückkehren, daß wir nach Pflicht und Gewissen bestrebt waren, unser Vaterland aus den Gefahren der Gegenwart zu erretten, und es einer größeren Zukunft entgegenzuführen. Gott gebe (in diesen gefährlichen Märztagen) seinen Segen!!
Nachmittags.
Ich komme soeben aus der Sitzung in der Paulskirche. Ein Gesetz über die Auswanderungen (welches selbst unsere Partei in leidenschaftlicher Hast zurücklegen wollte) ist friedlich angenommen, und wird allmälig beitragen, die Auswanderer gegen Betrügereien zu schützen. Morgen (16.) ist keine Sitzung; übermorgen aber beginnt der große Kampf über den beiliegenden Bericht des Ausschusses. Ich glaube nicht, daß er kurzweg in allen Theilen angenommen wird, kann aber darin keineswegs ein so entsetzliches Unglück sehen, wie viele meiner Kollegen. Sie fürchten: man werde uns eine Verfassung geben, oder uns gar auseinanderjagen. Ich bin (sofern wir es nicht selbst verschulden) davor nicht bange, und wenn wir bei der Abstimmung über die einzelnen Paragraphen der Verfassung (wie die Linke vorschlägt) auch einige Zeit verlieren und in einigen Punkten unterliegen; so werden wir praktisch doch vorwärts kommen, und nicht so viel einbüßen, als Theoretiker und ängstliche Gemüther glauben. Die Beweise ein andermal, sofern sie nöthig werden.
Hundertsiebenundzwanzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 16. März 1849.
Gestern Abend war die Gesellschaft des Weidenbusches versammelt, und der Vorstand legte die Grundsätze vor, nach welchen er Redner für den nächsten Kampf in Vorschlag bringe. Nämlich
1) keine im Allgemeinen schon mißliebige Personen.