Der Entstehungszeit nach zerfallen die Teppiche bis auf einen 1497 gestifteten Gobelin in zwei Hauptgruppen. Zur ersten Gruppe aus dem Beginne des 15. Jahrhunderts, für welche außer der charakteristischen Formensprache in der Regel eine stärkere Belebung des Hintergrundes mit Architektur und Landschaft bezeichnend ist, zählt auch als später Ausläufer der um 1450 entstandene Mariengobelin. Der zweiten Gruppe nach der Mitte des 15. Jahrhunderts ist bei klarer Disposition der Figuren dunkelfarbiger Hintergrund mit ornamental stilisierten Blumen und Pflanzen eigen.

Über den Entstehungsort ist nichts Bestimmtes bekannt. Er ist jedenfalls in Nürnberg zu suchen, vermutlich in einem der beiden Frauenklöster St. Klara und St. Katharina. Auffällig ist, daß nachweisbar drei Teppiche der zweiten Gruppe allein von den Tuchern gestiftet worden sind.

Wandteppich mit sieben Darstellungen aus der Legende des hl. Sebald (Abb. [132], [133]). Um 1410. Mit Inschrift über den Darstellungen: der Leichnam des hl. Sebald schlägt einem Mönch, der ihn verhöhnt, ein Auge aus: „hi... ein münch sant sebolt tod leichna slug Ī ē aug aus“[XXIV]); einer Frau, welche eine abgebrochene Kerze an der Bahre des hl. Sebald wieder aufrichtet, springt der zur Buße um den Arm getragene Ring: „hie pring ē fraw sant sebolt kertzē die eise... fiellē ir ab“; die Leiche des hl. Sebald wird von Ochsen gefahren: „hi zichē ochsē S sebolt leichnā von poppēreut gē nurberg“; der vertauschte Käse, welchen eine Frau am Grabe des hl. Sebald opfert, wird in einen Stein verwandelt: „hie verwexelt fraw ē kes der wardt zu ē stain“; Pilger nehmen die sie überfallenden Räuber gefangen mit nach Rom: „hie fiengē pilgerē die rauber und prochtens mit in gen rom“; die Räuber überfallen die Pilger wiederholt, aber St. Sebald lähmt sie: „hie wollen sie die pilger beraubt haben do erkrumpt sie“; St. Sebald erscheint Schiffbrüchigen: „hie wollten leut ertrincken do kam in S sebolt zu hilf“. Die Reihe der Darstellungen hat sich ursprünglich noch fortgesetzt. L. 7·28 m, H. 1·01 m. Als Hintergrund Architektur und Landschaft. Die Darstellungen sind äußerlich nicht getrennt. Mäßig gut erhalten, doch, insbesondere die braunen Fäden, durch Insekten zum Teil herausgefressen. Zu diesem Gobelin hat wahrscheinlich einer mit Darstellungen der Wunder des hl. Sebald vor seinem Tode als Gegenstück existiert.

Wandteppich mit sechs Darstellungen aus dem Alten Testament. Um 1410. Darstellungen: Adam und Eva im Paradies, Vertreibung aus dem Paradies, Samson bezwingt den Löwen, Samson wird von Delila überlistet, Bathseba und David, David und Michal(?). Ohne äußerliche Trennung. L. 4·30 m, H. 0·63 m. Hintergrund blau mit Architektur und Landschaft.

Zwei Wandteppiche mit Darstellungen aus der Legende der hl. Katharina. Um 1420. Die Schrift über den Darstellungen teilweise erhalten. 1. Acht Darstellungen: Wunderbare Erscheinung des Kreuzes: „hi sahen die heinischen (!) meister ein czeichen am himel“; Opferung von Weihgeschenken: „dez heiligen creuz daz erten si mit güter“; Geburt der Katharina: „hi wart sancta katterina geporn“; religiöse Erziehung: „hi bart si gelert daz si dem kreuczigten got solt din“; Unterricht durch den Einsiedler: „hie lert si der einsidel daz si xpm...“; Maria mit dem Jesuskind (Fragment); Taufe der Katharina; mystische Verlobung mit dem Jesuskind. Die erste Darstellung ist möglicherweise nicht der Anfang des Ganzen, denn vor der Schrift jener Darstellung finden sich die Worte: „[St. Cath]erina lebē“. L. 7·43 m, H. (mit Schrift) 0·92 m. 2. Vier Darstellungen: Katharina vor dem Kaiser Maxentius, Disputation mit den Philosophen, Katharina tröstet die wegen ihrer Bekehrung zum Feuertode verurteilten Weisen, Katharina wird gegeißelt. Fragment. Schrift fehlt. L. 4·95 m, H. 0·82 m. Hintergrund blau mit Architektur und Blumen. Die Darstellungen sind äußerlich getrennt. Gut erhalten, doch das Braun wiederum zum Teil herausgefressen.

Abb. 134. Gobelin mit Darstellungen aus dem Marienleben.

Wandteppich mit zwei Darstellungen der Kreuzauffindung durch die hl. Helena. Rummelsche Stiftung. Um 1420. Darstellungen: Die hl. Helena in Gegenwart des Kaisers Konstantin und des Gefolges bezeichnet den Platz, wo gegraben werden soll; von den drei gehobenen Kreuzen wird das Kreuz Christi an der Wunderwirkung der Auferstehung eines Toten erkannt. Unten links das Wappen der Rummel, rechts das Wappen der Haller. L. 1·80 m, H. 0·85 m. Hintergrund dunkelblau, mit ornamentierten Zweigen belebt; im Vordergrund Blumen. Die beiden Szenen sind äußerlich nicht getrennt.

Wandteppich mit drei Darstellungen aus dem Marienleben (Abb. [134]). Um 1450. Hallersche Stiftung. Links Verkündigung, in der Mitte Heimsuchung, rechts Geburt Christi. Äußerlich abgeteilt. L. 1·81 m, H. 0·88 m. Architektur und Landschaft als Hintergrund. Das Allianzwappen der Haller mit dem der Pfinzing und Schürstab in der mittleren Darstellung. Weniger gute Arbeit.