„Am 15. Juli 1489 wurde beschlossen, die Türme durch Meister Ulrich Hübner, Büchsenmeister von Bamberg, neu decken zu lassen. Zuerst deckte er den Turm der Wage gegenüber. Das nötige Zinn und was er sonst nötig hatte, das Werkzeug ausgenommen, erhielt er von dem Kirchenmeister Sebald Schreier, der ihn für das Gießen eines jeden Zentners und für das Decken 2 Pfund neuer Haller bezahlte. Die Kosten für das Decken dieses Turmes betrugen 1406 Pfund und 4 Schilling Haller neuer Währung oder (den Gulden zu 2 Pfund 1 Schilling 8 Haller neu oder 8 Pfund 10 ϑ alt gerechnet) 674 fl. rhein., 19 Schilling 6 Haller in Gold. An Zinn und Blei wurden 4907 Pfund verwendet.
„Da die Arbeit des Meisters Ulrich befriedigte, übertrug man ihm im Jahre 1490 auch das Decken des anderen Turmes, bei welchem sich die Kosten nur auf 310 Pfund 18 Schilling 8 h. oder 149 fl. 5 Schilling in Gold beliefen.“
Soweit Baaders Nachrichten, welche aus den Baurechnungen gezogen sind. Demnach war der 1481 oder richtiger im Frühjahr 1482 begonnene Neubau einschließlich Bedachung — abgesehen von der Neudeckung 1489 und 1490 — im Herbst 1484 vollendet. Kleinere Arbeiten, wie Einrichtung der Holztreppen, Fertigstellung der Türen, Geländer und Gänge an beiden Türmen, nahmen noch die Jahre bis 1486, nach anderen bis 1485 in Anspruch.[53] 1496 sollen die „beiden zierlich durchbrochenen Gänge, welche man aber 1577 wieder neu bauen mußte, gemacht“ worden sein[54], wofür ein urkundlicher Beleg jedoch nicht bekannt ist. Möglich, daß durch den 1494 erfolgten Aufzug der Viertelstundenglocke die Galerie beschädigt oder, um den Aufzug zu bewerkstelligen, absichtlich teilweise beseitigt wurde, was 1496 eine umfassende Reparatur erfordert hätte.[55] Jedenfalls hätte es sich dann nur um den südlichen Turm, in dessen oberem Helmdurchbruch die Glocke aufgehängt wurde, handeln können.
Die Erhöhung der Türme bezog sich hauptsächlich auf den Aufbau neuer Glockenstuben mit weiten Schallfenstern, die ohne Verjüngung beiderseits auf die unteren Stockwerke aufgesetzt wurden. Die an jeder Seite der Türme angebrachten doppelten Schallfenster werden je durch ein weites und hohes Blendfenster mit drei senkrechten Stäben zusammengefaßt. Die Spitzbögen der eigentlichen Schallfenster füllt einfaches Maßwerk, Leibungen und Stäbe der Blende sind in schlichter Weise profiliert. Die Wände sind vollständig glatt behandelt, es fehlen also auch die Lisenen, welche am nördlichen Turm bis an das Gesims des sechsten Stockwerkes hinaufreichen. Unter dem oberen Abschluß dieses Stockwerkes zieht sich, ohne Abwechslung der Motive, ein Bogenfries hin, dessen Spitzen Knospenornamente zieren.
Darüber erhebt sich, durch eine aus zwei Hohlkehlen bestehende Profilierung wenig über die Mauerflucht hervorragend, eine Kranzgalerie (Abb. [29]), in Herzblattmuster durchbrochen gearbeitet. Das siebente, ebenfalls quadratische aber engere Stockwerk über der Plattform, ist wiederum glatt behandelt und hat jeweils in der Westseite eine Türe, durch welche man auf den schmalen Gang gelangt, und außerdem auf jeder Seite zwei kleine viereckige Fenster. Der obere Teil dieses siebenten Stockwerkes wurde im südlichen Turm als Wächterwohnung eingerichtet. Ein Fries, ähnlich dem des sechsten Stockwerkes, schließt das Mauerwerk ab. Die schlanken Turmhelme setzen viereckig an und gehen durch Teilung der Kanten und Brechung derselben in ein gleichmäßiges Achteck über; der südliche Helm ist zweimal durchbrochen, zur Aufnahme der Stundenglocke unten und der Viertelstundenglocke oben. Knopf und Fahne bekrönen das Ganze.
Einen Anspruch auf künstlerische Bedeutung können die Türme auch in ihren neuen Bauteilen nicht erheben. Gerade in den beiden Türmen mit ihrer einfachen, schlichten Behandlung kommt eben eigentlich so recht die Einfachheit und zugleich auch Nüchternheit der Nürnberger Gegend zum Ausdruck. Hier unterscheidet sich die Kirche St. Sebald nur wenig von den Bauten der Nachbarorte, denn weder das nördliche Bayern, noch das angrenzende östliche Franken hat Kirchtürme aufzuweisen, welche sich besonderer Schönheit erfreuen. Am nächsten verwandt mit den Türmen von St. Sebald ist der Turm der Stadtpfarrkirche in Schwabach.
Abb. 29. Oberer Teil des nördlichen Turms.