Abb. 44. Modell eines zum Teil armierten Vitrumspfeilers.

Hier mußte überall in gewissenhafter und gründlicher Art Abhilfe geschaffen werden. Da außerdem an verschiedenen anderen Stellen der Kirche, z. B. an der zu einem Schrank mit Fächern aus steinernen Platten umgewandelten Arkade zwischen Löffelholzchor und nördlichem Turm, Veränderungen und Ergänzungen am Mauerkörper stattzufinden hatten, so kann nicht Wunder nehmen, daß über 2000 Werksteine aus Wendelsteiner Quarzit im Laufe des Jahres eingewechselt oder neu eingesetzt werden mußten.

An den reizvollen romanischen Skulpturen, Konsolen, Kapitälen und sonstigem Laubwerk wurden die vielfach fehlenden Teile durch freie Anmodellierung in Masse mit Hilfe von Dübeln wieder neu hergestellt.

Eine Anzahl von rechteckigen Vertiefungen an den Pfeilern des nördlichen Seitenschiffes, welche ehemals wohl Bronzetafeln enthielten und auf das Vorhandensein von Gräbern dortselbst schließen lassen, wurden in dem aufgedeckten Zustande belassen. Auch die Reste eines im Löffelholzchor aufgefundenen romanischen Steinfußbodens wurden zu beiden Seiten des Altares dortselbst wieder verwendet.

Die bis jetzt beschriebenen Arbeiten füllten fast das ganze Jahre 1903 aus; Mitte Oktober waren die Hauptgerüste gefallen und auch der in seiner Architektur so reich und reizvoll ausgestattete Engelschor, dessen Gewölbekappen wegen der Jahrhunderte lang stattgehabten Durchfeuchtung größtenteils erneuert werden mußten, fertiggestellt. Bis auf den tödlichen Sturz eines Tünchergesellen war alles glücklich vonstatten gegangen. Nun konnten die Gerüste immer weiter entfernt und mit den Arbeiten an den Holzgalerien, Altären und Votivbildern begonnen werden. Hier sind besonders zu nennen die steinerne Kreuztragung von Adam Kraft (Abb. [87]) sowie die prächtigen Stammtafeln der Patriziergeschlechter Löffelholz, Ebner (Abb. [113]) und Pömer. An diesen Kunstwerken fanden Ergänzungen vieler abgeschlagener Teile, Abschaben der weißen Übermalung und die Wiederherstellung der Vergoldung und Polychromie unter möglichster Schonung des alten Bestandes statt.

Abb. 45. Armierter Vitrumspfeiler während der Restaurierung.

Den Hauptteil der figürlichen Plastik in der Westhälfte der Kirche bilden die an den Mittelschiffpfeilern angebrachten elf Apostelstatuen (Abb. [77] bis [81]), welche im ganzen gut erhalten waren. Die Attribute, die bei einigen fehlten, waren leicht festzustellen und wurden erneuert. Im Mittelschiff fanden sich ferner auf der Südseite die Statue Johannes des Täufers und auf der Nordseite ein Thomaschristus, beide gut erhalten, im nördlichen Seitenschiff zunächst das Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde (Abb. [82] und [83]); der Kaiserfigur war das Szepter neu beizugeben. Ohne Ergänzung konnten sodann die vortreffliche Statue Bischof Erhards (Abb. [84]) sowie ein Thomaschristus bleiben. Im südlichen Seitenschiff waren eine Katharina, eine Helena (Abb. [85]) und eine Antoniusstatue vorhanden, bei denen teils Ergänzungen, teils Erneuerungen der Attribute erforderlich wurden. Für eine Marienstatue mit dem Christuskind, die sich in der südlichen Turmhalle zur Seite gestellt vorfand, konnte am ersten südwestlichen Mittelschiffpfeiler der alte Standplatz festgestellt werden. Sie wurde an demselben wieder aufgestellt und erhielt ein neues Szepter, das Kind einen neuen Arm. Ein kleiner Thomaschristus mit dem Ebnerwappen, der unter der Fülle von Statuen an diesem Pfeiler erdrückt erschien, wurde in den Löffelholzchor versetzt. Die ursprüngliche Polychromie ließ sich bei allen Statuen leicht ermitteln und wurde sorgältig wiederhergestellt. In vielen Fällen, besonders auch bei den teppichartigen, farbigen Hintergründen konnte sich diese Arbeit auf eine Restaurierung der im ganzen noch gut erhaltenen Bemalung beschränken.