Auf diese Weise erhielt die bisher weiß getünchte Kirche an Pfeilern und Wänden einen reichen farbigen Schmuck, zu dem der lichte, etwas ungleichmäßige Mauerton einen glücklichen Hintergrund bildete.

Noch fehlten jedoch den Pfeilern die ehemals dort angebrachten zahlreichen und prächtigen Totenschilde der Patrizier, welche in den alten Kupferstichen gewissenhaft dargestellt sind. Kirchenrat Michahelles richtete eine Anfrage und Bitte an die in Frage kommenden Familien um Wiederherausgabe dieser Schilde. Der Erfolg war hocherfreulich. Von der von Löffelholzschen Familie wurden 21 Schilde (Abb. [115]) überlassen, von den Familien von Haller 12 (Abb. [117] und [118]), von Kreß 7 (Abb. [116]), von Ebner 4 (Abb. [119]) und von Harsdorf 11 Schilde. Die Wiederherstellungsarbeiten wurden in der Bauhütte ausgeführt und die Schilde in der Kirche an Pfeilern und Wänden in Gruppierungen, wie sie möglichst dem früheren Bestande entsprachen, aufgehängt.

Die Wandmalereien: Christophorus (Abb. [46]), Tod Mariä und Gregoriusmesse, welche aufgedeckt worden waren, wurden durch Kunstmaler Pfleiderer unter Mithilfe des Konservators Professor Haggenmiller restauriert und die beiden letzteren mit hölzernen Schutztürchen versehen. In der südlichen Turmhalle fand ein neues brunnenartiges Becken mit Wasserleitung seinen Platz.

Der Fußboden aus Wendelsteiner Quarzitplatten war fast ganz zu erneuern; und auch die Glasmalereien erforderten zwar nicht wesentliche Restaurationen, jedoch kleinere Ausbesserungen und neue Bleifassungen. In den Fenstern des Löffelholzchores gelangten sechs neue Bildtafeln, von Zettler in München nach Professor Wanderers Entwurf gefertigt, zur Aufstellung. Daneben wurden teils alte, teils neue Wappen angebracht. Stifter dieser Fenster sind die Familien von Löffelholz, von Haller, von Kreß, von Scheurl und von Tucher.

Störend wirkten bis jetzt die Kirchenbänke, deren Seitenteile mit pseudogotischen Verzierungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts versehen waren. Die heutige Denkmalpflege verlangt da, wo nicht etwa an einem alten Objekt kleine Teile zu ergänzen, sondern wo neue Objekte zu schafren sind, neuzeitliche Formen. Eine gefährliche Aufgabe in einer so ehrwürdigen Umgebung. Dem Unterzeichneten schien es am zweckmäßigsten, in solchen Fällen möglichst indifferente, einfache Formen anzuwenden, welche gegenüber den vorhandenen Kunstwerken in den Hintergrund treten sollten. In dieser Art war schon die Gestaltung des Wasserbeckens im südlichen Turm und der Holzläden vor der Gregoriusmesse erfolgt; sie sollte auch für die späteren Arbeiten im Ostchor (Sakristeivertäfelung und verschiedene Eisenbeschläge) beibehalten werden. Daher entstanden nun auch an den Bänken neue Seitenteile mit einem einfachen, schlichten Schneckenabschluß. Andererseits fand da, wo vorhandene alte Teile dazu Veranlassung gaben, z. B. bei den mannigfachen eisernen Schranktüren, die Ergänzung im alten Stil und Charakter statt. Das geschilderte Prinzip wurde nach besten Kräften durchgeführt; wo eine kleine Abweichung stattfand und eine Neuschöpfung den Archäologen zu einem Irrtum verleiten könnte, wurde die Jahreszahl beigefügt.

Ende März konnten die von Konservator Mayer geschickt restaurierten Gemälde wieder zur Aufstellung gelangen. Bei den Predellabildern des Löffelholzaltares hatte sich unter einer wertlosen Übermalung die mittelalterliche Darstellung der alten Stifter gefunden. Auch bei den anderen Bildern war hie und da eine unverständige spätere Übermalung entfernt worden. Namentlich die alte Vergoldung kam unter einer überdeckenden stumpfen Farbschicht, z. B. bei den Hintergründen des Halleraltares, und zwar meist gut erhalten, wieder zum Vorschein.

Die alte barocke Orgel auf dem Engelchor erhielt ein neues Orgelwerk, das eine Erweiterung des Gehäuses nach den beiden Seiten zur Folge hatte und von Orgelbaumeister Strebel gebaut wurde.

Alle Kunstschreinerarbeiten und die hiebei erforderlichen Schnitzereien wurden in den Werkstätten der Bauhütte gefertigt. Schließlich ist zu erwähnen, daß im ersten westlichen Joche des nördlichen Seitenschiffes eine Reihe von steinernen Originalstatuen vom Äußeren der Kirche, welche im Laufe der Jahre erneuert worden waren, zur Aufstellung gelangten.

So konnte Ostern 1904 die Restaurierung der Westhälfte von St. Sebald nach 15monatlicher Bauzeit beendet werden; und nachdem der Bauausschuß die dargelegten Grundzüge für die Wiederherstellung des Ostchores genehmigt hatte, wurde sogleich mit den Arbeiten in diesem begonnen.