Es war eine helle Nacht, wenngleich der Mond nur die Hälfte seines beleuchteten Angesichts zeigte, als die kühne Reisegesellschaft ihre abenteuerliche Fahrt antrat. Flitmore ließ noch einige letzte Vorratskisten und Gebrauchsgegenstände in der Sannah verstauen. Auch die von ihm erfundene und in Afrika erprobte Nährmaschine nahm er für alle Fälle mit. In Kolben und Metallgefäßen verwahrte er die chemischen Stoffe, aus denen er mittels der Maschine Tabletten von hohem Nährwert erzeugen konnte. Dies hatte den Vorzug, daß in kleinen Behältern, die nur sehr wenig Raum einnahmen, die Mittel zur Verköstigung auf viele Monate mitgenommen werden konnten. Überdies vermochte er mit seiner Maschine bei einer Landung aus jedem Erdreich, das die für den Pflanzenwuchs nötigen Bestandteile enthielt, diese Bestandteile auszusondern und zu verarbeiten, genau wie es die Pflanzen tun, die Mehl und genießbare Früchte erzeugen. Wozu aber die Halme, Gesträuche und Bäume Monate oder wenigstens Wochen benötigen, das brachte die Nährmaschine in wenigen Stunden zuwege. So schloß diese geniale Erfindung eine Hungersnot aus, auch wenn die reichen Lebensmittelvorräte erschöpft werden sollten, im Falle die Reise sich über alle Erwartungen hinaus verlängern würde.
Besonders wichtig war dem Lord auch sein photographischer Apparat, mit dem er nach dem neuesten Verfahren Lichtbilder in natürlichen Farben herzustellen verstand.
Heinz trug seine geliebte Violine in ihrem Kasten bei sich: er war ein Meister im Geigenspiel und die Zartheit und Gefühlsinnigkeit seines Strichs übertraf selbst das, was man von berühmten Virtuosen zu hören gewohnt ist. Überdies blies er gelegentlich auch Piston mit ebensolch vollendeter Meisterschaft.
Flitmore selber war ein begeisterter Kenner und Freund der Musik. Er spielte nicht weniger als drei Instrumente mit gleicher Fertigkeit, das Klavier, das Cello und die Posaune.
Da Lady Flitmore auf dem Klavier Vorzügliches leistete, John Rieger, der Diener, Flöte blies und selbst Kapitän Münchhausen nicht unmusikalisch war, konnte man hoffen, in der Sannah Konzerte aufzuführen, die sich überall hätten hören lassen dürfen.
Der Lord hatte daher nicht versäumt, für solche willkommene Veranstaltungen in der Sannah ein eigenes, glänzend ausgestattetes Musikzimmer einzurichten, das sogar einen Flügel enthielt, dazu Blas- und Streichinstrumente aller Art, ein ganzes Orchester. Für die nötigen Noten und Partituren war selbstverständlich reichlich gesorgt: da sollte keine Langeweile aufkommen!
Alle waren vor der Eingangspforte der Sannah versammelt, zum Einsteigen bereit, als Flitmores treuer Diener John noch als Letzter erschien, und zwar begleitet von zwei kräftigen Affen, die der Lord den erstaunten Gefährten folgendermaßen vorstellte:
„Sie sehen hier zwei dienstbare Geister, die Schimpansen Dick und Bobs. Der erstere verdankt seinen Namen einem schlechten Wortspiel, da er in der Tat etwas fettleibig ist, also in deutscher Sprache als „Dick“ bezeichnet werden kann; der zweite hat eine auffallende Ähnlichkeit mit Lord Roberts, dem Feldmarschall, den wir bekanntlich „Bobs“ heißen.
Die Tiere sind äußerst intelligent und gelehrig und sind vorzüglich eindressiert auf das Treiben der Maschine zur Speisung des elektrischen Akkumulators. Sie mögen uns ferner von Nutzen sein, wenn das Schicksal uns auf einen Weltkörper verschlagen sollte, der mit Pflanzenwuchs gesegnet wäre. Da wir in solchem Fall gewärtig sein müssen, lauter uns völlig unbekannte Früchte dort vorzufinden, werden uns die Schimpansen davor bewahren, irgend etwas Giftiges oder Schädliches zu genießen; denn darin ist ihr Instinkt untrüglich.“
Mit vor Erwartung klopfenden Herzen betraten unsre Freunde die unterste Kammer der Sannah, die eher ein Saal zu nennen war, wie alle ihre Räume. Nun mußte es sich bald zeigen, ob eine Erhebung in den unendlichen Raum möglich sei. Und wenn es geschah, — was würden ihrer für Überraschungen, für Gefahren dort warten?