Sofort umklammert mich das Seeungeheuer mit seinen sämtlichen Fangarmen und sucht mich zu sich hinauszuziehen. Glücklicherweise war nun wiederum ich zu dick. Mein Bauch wurde gegen das Loch gepreßt, das er völlig verstopfte, während ich den Kopf noch über Wasser halten konnte.
Meine Begleiter sprangen alsbald ins Wasser mir zu Hilfe: sie wollten mit ihren Messern die Fangarme des Polypen durchschneiden und mich so aus der erstickenden Umarmung befreien. Ich aber hatte sofort erkannt, daß uns hier der einzige Weg zur Rettung des Schiffes gewiesen war, und ich bedachte mich keinen Augenblick, mein Leben zu opfern, wenn es sein sollte, um Fahrzeug und Mannschaft zu retten.
Ich rief daher den Matrosen zu, sie sollten ihre Messer in Ruhe lassen, dagegen starke Taue an die einzelnen Glieder des Kraken binden. Sie wußten nicht recht, was das sollte, doch, gewohnt, mir blindlings zu folgen, führten sie die schwierige und nicht ungefährliche Arbeit aus.
„Nun ziehet die Leinen straff an,“ rief ich, als die Sache soweit war, „und knüpft sie an einem Längsbalken fest, daß die Fangarme gestreckt werden!“ Mit Hilfe einiger weiterer herbeigeeilter Mannschaften wurde dies ausgeführt und der Tintenfisch mußte mich aus der Umklammerung frei geben, als seine Glieder mit aller Gewalt angezogen und gestrafft wurden.
Halbtot fischte man mich aus dem Wasser und ich verlor das Bewußtsein, während man mich an Deck trug, wozu nicht weniger als sechs Mann erforderlich waren.
Der Polyp aber saß fest und sein weicher, kolossaler Leib war durch die strammgezogenen Seile derart in das Leck gezwängt, daß es völlig verstopft wurde und kein Tropfen Wasser mehr eindringen konnte.
Bis ich aus meiner Ohnmacht erwachte, war das Wasser schon soweit ausgepumpt, daß der Zimmermann an die beschädigte Stelle gelangen und sie kalfatern konnte, wobei gemäß dem Fortschreiten der Arbeit dem Kraken die Arme einzeln abgetrennt wurden, bis er mit Verlust seiner Glieder das Weite suchen konnte und die letzte Lücke hinter ihm vernagelt wurde. Nun war das Schiff gerettet, und meiner Leibesfülle war dies in letzter Linie zu danken; denn wäre ich so schlank gewesen, wie Sie, meine Herren, so hätte mich das widrige Scheusal mit Leichtigkeit durch das Loch hinausgezogen, ich wäre eines elenden Todes gestorben und mein Schiff mitsamt der Mannschaft wäre rettungslos zugrunde gegangen.“
„Ein Hoch auf Ihren segensreichen Körperumfang!“ rief Schultze, sein Glas füllend und erhebend.
„Und auf Ihre edle Opferfreudigkeit,“ fügte Flitmore hinzu, ebenfalls mit dem schmunzelnden Kapitän anstoßend und in die allgemeine Heiterkeit einstimmend.
„Das war sozusagen ein großartig zu nennendes Abenteuer,“ meinte John, „aber wenn ich mir nun erlauben darf, Mylord, Sie daran zu erinnern, so haben Sie mir versprochen, zu erklären, wie man wissen kann, daß außer den leuchtenden Sonnensternen auch noch dunkle Sterne vorhanden sein dürften, trotzdem man sie nicht sehen kann.“