Flitmore gab bereitwilligst Auskunft, indem er begann: „Zunächst kann man es vermuten, denn die Fixsterne sind doch lauter leuchtende, glühende Sonnen, meist viel größer als unsre irdische Sonne. Wenn nun um diese mehrere dunkle Planeten kreisen, warum nicht auch um die Millionen andrer Sonnen im Weltraum?
Sodann unterscheidet man drei Klassen von Fixsternen je nach ihrer Lichtstärke. Die erste Klasse umfaßt die weißleuchtenden Sterne, die sich noch in höchster Glut befinden, also wohl die jüngsten sind. Zu diesen gehören Regulus im Löwen, Sirius im großen Hund, Wega in der Leier. Auch die blauen Sterne gehören hierher.
Die zweite Klasse umfaßt die gelben Sterne, ähnlich unsrer Sonne, die schon von niedererer Temperatur und Helligkeit sind. In die dritte Klasse rechnet man die rotglühenden Sterne und die orangeroten.
Zwischen diesen Klassen und in denselben gibt es aber alle möglichen Zwischenstufen und Übergänge, und manche Astronomen unterscheiden noch eine vierte Klasse der blutroten Sterne von geringer Helligkeit und eine fünfte, die nur einige wenige Sterne umfaßt, die das Spektrum des Wasserstoffs geben.
Die erste Klasse umfaßt die meisten Fixsterne, die zweite etwa die Hälfte der ersten, die dritte ungefähr den achten Teil. Daraus schließt man, daß ein Stern doppelt so lang im ersten als im zweiten Zustand bleibt und in diesem viermal so lang als im dritten. Diese Ansicht übersieht jedoch völlig, daß uns die hellsten Sterne aus einer Entfernung sichtbar sein können, aus der das Licht weniger heller Weltsonnen gar nicht mehr bis zu uns dringt, daß wir also auch so rechnen können: aus der entferntesten Region des sichtbaren Weltalls leuchten uns nur die Sterne erster Klasse, die andern sehen wir nicht; aus der mittleren Region werden uns auch die Sterne zweiter Klasse noch sichtbar und nur aus der uns nächsten Region auch noch schwächer leuchtende. Natürlich kommt dabei auch noch die Größe der Sterne in Betracht, da wir einen Stern zweiter Klasse vielleicht noch aus einer Entfernung erkennen können, aus der uns ein millionenmal kleinerer Stern erster Klasse nicht mehr zu Gesichte kommt.
Das kommt daher, daß das Licht im Raum nicht ungeschwächt vordringt, sondern mit der Entfernung zunehmend an Glanz einbüßt: der im Raum enthaltene Stoff schluckt etwas von dem ihn durcheilenden Lichte an; das nennt man Absorption. Und gerade diese Lichtabsorption, für die man verschiedene Beweise hat, gibt uns die Gewißheit, daß der Raum nicht leer ist, sondern von einem Stoff erfüllt, der Licht aufzusaugen vermag.
Es ist nun klar, daß auf eine bestimmte Entfernung hin das Licht eines Sternes schließlich völlig aufgesogen sein muß, und so nimmt man an, daß Sterne, die über 16000 Lichtjahre von uns entfernt sind, überhaupt kein Licht mehr so weit zu bringen vermögen und uns daher ewig unsichtbar bleiben.
Was also über diese Lichtgrenze unsrer Welt hinausgeht, bleibt uns unbekannt; kein Fernrohr, und wäre es millionenmal stärker als wir sie bauen, vermöchte den Schleier zu lüften, keine photographische Platte wäre dazu imstande, und wenn sie millionenmal empfindlicher wäre als die Platten, die uns jetzt schon Sterne nachweisen, die man mit dem besten Teleskop nicht zu finden vermag.
Nun aber zurück zu den dunkeln Welten: sehen wir, daß die Fixsterne sich in den verschiedensten Stufen der Glut befinden, manche schon im Erlöschen begriffen, was liegt näher, als daß auch Millionen schon längst erloschener Weltkörper im Raume sich bewegen, die uns das schwache Licht, das sie von ihren Sonnen empfangen, nicht zu Gesicht bringen können? Dazu kommt noch unser Glaube an des Schöpfers Weisheit und Güte: sollte er Millionen Sonnen erschaffen haben ohne einen Zweck? Oder sollten sie nicht vielmehr dienen, Welten zu erleuchten und zu erwärmen, die von den Wundern Gottes überfließen, und wo lebendige Wesen sich ihres Daseins freuen?
Einige Astronomen nehmen an, daß das Weltall Tausende von Millionen Sonnen und Hunderttausende von Millionen dunkler Welten besitze und zwar solche von ungeheurer Größe. Sie glauben auch nicht, daß der Raum von drei- bis viereinhalb Lichtjahren, der unser Sonnensystem von der Fixsternwelt trennt, eine weltenleere Einöde sein könne, sondern daß einige Millionen dunkler Körper sich darin finden könnten, so große sogar, daß unser Sonnensystem sich um sie drehe. Denn nichts beweist uns, daß sich leuchtende und nichtleuchtende Weltkörper nicht auch um ein erloschenes dunkles Gestirn drehen können, sofern es groß genug ist.