Dies alles sind ja zunächst nur Vermutungen, wenn auch solche, die die größte Wahrscheinlichkeit für sich haben. Aber wir haben auch Beweise für das Vorhandensein solcher dunkler Weltkörper.

Wenn ein dunkler Trabant zwischen uns und seiner Sonne vorübergeht, so werden wir ja für gewöhnlich davon nichts merken können, weil bei der ungeheuren Entfernung die Verfinsterung allzu gering ist, sobald er wesentlich kleiner ist als seine Sonne, was wir ja gewiß als das Gewöhnliche annehmen müssen. Dennoch gibt es Fixsterne, die uns erkennen lassen, daß ein dunkler Trabant sie umkreist; das sind die sogenannten veränderlichen Sterne, aber das soll dir der Professor erklären, ich habe es nicht so im Kopf.“

„Gerne!“ erklärte Schultze bereitwillig. „Veränderliche Sterne heißt man diejenigen, deren Helligkeit zu Zeiten abnimmt, um dann aber wieder zuzunehmen. Man unterscheidet da den Miratypus, den Lyratypus und den Algoltypus.“

„O, wie fein das klingt!“ unterbrach John: „Miratyphus, Liratyphus und Alkoholtyphus.“

Das herzliche Gelächter, das seine Repetition der melodischen Namen erweckte, nahm er gewohntermaßen nicht übel.

Der Professor aber machte weiter: „Der Stern Mira, das heißt ‚Der Wunderbare‘, im Walfisch strahlt gelegentlich als Stern erster oder zweiter Größe, aber nur wenige Wochen lang. 70 Tage später ist er schon so lichtschwach, daß er nur noch im Fernrohr sichtbar ist, noch weiter an Glanz abnehmend. Späterhin nimmt sein Licht wieder zu und zwar viel rascher, als es zuvor abgenommen. Nachdem er dem bloßen Auge wieder sichtbar geworden, erreicht er in 40 Tagen seinen höchsten Glanz. Diese Perioden dauern durchschnittlich 333 Tage von einem Höhepunkt zum andern, sind aber nicht ganz regelmäßig, auch der Glanz des Sterns erreicht nicht immer die gleiche Höhe.

Man nimmt daher an, Mira sei eine erlöschende Sonne, die sich wie unsre Sonne periodisch mit vielen Flecken überzieht, nur noch mit viel mehr. Wenn unsre Sonne einmal so weit kommt, muß alles Leben auf Erden zu Grunde gehen. Auch die Spektralanalyse beweist die Ähnlichkeit dieses Wundersterns mit der Sonne.

Heute kennt man hunderte von veränderlichen Sternen vom Miratypus, die meist in Perioden von 300 bis 400 Tagen ihr Licht wechseln. Manche aber sind völlig unregelmäßig, bleiben jahrelang unveränderlich oder leuchten binnen weniger Stunden mit großer Schnelligkeit hell auf. Das scheint auf gewaltige Umwälzungen hinzuweisen, die sich dort abspielen.

Der Stern Beta in der Leier zeigt den sogenannten Lyratypus; der Lichtwechsel geht ziemlich pünktlich vor sich, seine Stärke aber nimmt nicht gleichmäßig zu, sondern geht zwischenhinein wieder herunter. Man nimmt an, daß wir es hier mit halberstarrten Sonnen zu tun haben, die uns abwechselnd ihre erkalteten und ihre unregelmäßig verteilten glutflüssigen Oberflächenteile zuwenden.

Zwischen diesen beiden Typen gibt es noch allerlei merkwürdige Abweichungen, wie zum Beispiel der besonders wundersame Stern S im Schwan, der 2 Monate lang unverändert bleibt, dann rasch um das 12 bis 14fache an Glanz zunimmt, einmal 5, das andremal 10 Tage lang so hell bleibt, um darauf nach einer Woche wieder so schwach zu leuchten wie zuvor. Aber das geschieht nicht regelmäßig, sondern öfters zeigt er wieder andre Perioden.