Heliastras Augen leuchteten: „Das Leben ist schön bei uns, wunderschön! Aber welche Schranken sind uns überall gesteckt, wie viel möchten wir wohl ausführen und können es nicht! Wer treu gewesen ist im Wirken seines endlichen Lebens, dem werden höhere Aufgaben und Kräfte anvertraut, wie wir glauben: ja, ein neueres, höheres und schöneres Leben wird diesem mangelhaften Leben folgen, das glauben und hoffen wir!“
„Unser Glaube ist der,“ fügte Gabokol hinzu: „Wer sich bewährt hat, dem wird Gott eine seiner unzähligen Welten überweisen und ihm sagen: nun magst du nach eigenen Gedanken und nach eigener Lust schaffen. Ich gebe dir ein Maß von Schöpferkraft, wie es deinen Bedürfnissen entspricht; ich ordne dir andere Geister bei, denen noch keine so hohe Macht anvertraut werden kann, die dir aber treu und willig zu Diensten sein werden. Nun schaffe dir eine Welt nach deinen Gedanken, Pflanzen, Tiere, vernünftige Wesen, wie deine Phantasie solche erfindet, stelle Naturgesetze auf, wie du sie für zweckmäßig hältst und wenn du des Rats bedarfst, so darfst du ihn jederzeit bei mir holen. Ja, wir glauben, daß die Natur und Lebewelt auf unserem Planeten und wir selbst auf diese Weise geschaffen worden sind von einem großen, seligen Geist, dem Gott hier sein Schöpfungsgebiet angewiesen hat; denn vollkommene Geschöpfe, wie Gott selber sie erschaffen hätte, sind wir noch nicht. Aber im neuen Leben wird er selbst uns zur Vollkommenheit vollenden, wie der Meister des Schülers Arbeit verbessert und zur Vollendung bringt.“
„Ihr glaubt also alle an einen Gott, von dem in letzter Linie die ganze sichtbare Schöpfung ausgeht?“ fragte Mietje.
Bleodila sah sie verständnislos an: „Ja, was sollten wir denn sonst glauben?“ fragte sie. „Etwa, diese ganze Welt mit ihren wunderbaren Geschöpfen und uns selbst, sei von selber entstanden?“ und sie brach in ein herzliches Gelächter aus, in das ihre beiden Töchter einstimmten, so daß es wie der Klang eines Glockenspiels durch die zitternden Lüfte schallte.
„Ihr habt recht, daß ihr lacht,“ sagte Mietje; „niemand macht sich so lächerlich, wie der Zweifler am Dasein Gottes.“
„Nichts ist wahrer als dies,“ stimmte der Lord bei: „Die Gottesleugnung wird stets der sicherste Beweis geringer Verstandesgaben sein und der Unfähigkeit, vernünftig zu denken. Allerdings entstammt der plumpe Aberglaube an die ewige, allmächtige Natur und ihren aus dem Nichts gezauberten Gesetzen dem unlautern Willen und nie der wissenschaftlichen Überlegung. Aber diese Leute, die das Opfer ihres Verstandes bringen, weil sie nicht glauben wollen, die Geist und Sinne absichtlich verschließen, um der allein vernünftigen Erkenntnis den Eingang zu verwehren, sind um so bejammernswertere Toren und tun sehr Unrecht daran, den Vogel Strauß zu belächeln, der den Kopf in den Sand steckt, meinend, nun sei auch das nicht da, was er nicht mehr sieht, nicht sehen will.“
„Unsere Philosophen,“ sagte Gabokol, „haben auch schon über das Welträtsel nachgedacht. So beschränkt war freilich keiner, am Dasein eines Schöpfers zu zweifeln. Aber die Frage nach der Ewigkeit des Sichtbaren warfen sie auf. Da kamen sie denn zu folgenden Erkenntnissen: entweder das Sichtbare war immer da, das heißt von jeher vom ewigen Schöpfer hervorgebracht; dann wird es auch immer sein, und die Vergänglichkeit ist nur etwas Scheinbares, als ein Übergang in andere, zweifellos, höhere Daseinsformen; das wäre eine beständige Entwicklung, ein ewiger Fortschritt.“
„Wenn aber das Sichtbare einen zeitlichen Anfang hätte?“ warf Schultze ein.
„Dann könnte es ja wohl auch ein Ende haben,“ erwiderte der Edenite; „allein es ist klar, daß wenn einmal ein Anfang war, auch späterhin immer wieder ein neuer Anfang möglich ist; ja es wäre unsinnig zu glauben, daß es in der Ewigkeit der Zeiten nur einmal zu einem einzigen Anfang gekommen wäre und dann für alle Zeiten Ende und Tod. Wir schließen daraus, daß auch das Einzelne nie ein endgültiges Ende nehmen kann, sondern daß ihm ein neuer Anfang sicher ist. Der Anfang des Sichtbaren setzt also nicht sein Ende voraus, sondern vielmehr seine ewige Erneuerung.“