„Und das Schwanzende,“ fuhr Heliastra fort, „ist dort rechts der helle Stern, an den sich mehrere kleinere in schönem Schwung anschließen; ersteren heißen wir Glizil.“

„Das ist Aldebaran im Stier und die kleine Gruppe die Hyaden.“

Noch eine ganze Reihe von Stern- und Sternbildernamen erklärten sich die beiden gegenseitig, wobei es sich freilich erwies, daß die Astronomen Edens meist andre Gruppierungen festgestellt hatten, als die irdischen. Genau übereinstimmend erfanden sich außer dem großen Bären nur die besonders scharf begrenzten Bilder der Kassiopeia, die ein großes lateinisches W bildet und der Wage; diese beiden nannte Heliastra „Doppeldreieck“ und „Amboß“ oder Dutri und Kolgor.

Immer wieder mußte Heinz dann von der Erde und den Menschen erzählen, und Heliastra lauschte seinen Berichten wie Wundermären aus einer fernen Märchenwelt.

Und wenn er von den Leiden, Fehlern und Leidenschaften der irdischen Geschöpfe berichtete, von den Schrecken und Gefahren, von Unglück und Verbrechen, die den Frieden und das Glück der Erdenbewohner trübten, da offenbarte sich ihm das tiefe Gemüt, das sich hinter dieses Sonnenkindes schelmischem Wesen barg.

Denn die Liebliche empfand ein so tiefes Mitleid mit ihren fernen Brüdern und Schwestern, daß ihre Himmelsaugen in Tränen schwammen; und die Sünde und Verworfenheit kam ihr noch als das allerbemitleidendste Elend vor, unter dem die armen Geschöpfe zu leiden hätten.

„O,“ rief sie aus: „Wie viel höhere und edlere Aufgaben, Arbeit und Tätigkeit ist doch euch zugewiesen, die ihr Schmerzen zu lindern, Übel zu bekämpfen und Schlechtes zu überwinden habt! Wir streben ja auch der Veredlung und Vollkommenheit zu, aber die Schwierigkeiten, mit denen ihr zu rechnen habt, sind uns unbekannt: bei euch muß das Leben ein wahres Heldentum sein. Nur einmal möchte ich auch hineinversetzt werden in all dies bejammernswerte Elend, um mit euch kämpfen und siegen zu können.“

„O, wünsche das nicht!“ sagte Heinz, das zarte Geschöpf in seiner verklärten Begeisterung wehmütig betrachtend: „Wie viel glücklicher seid doch ihr!“

„Meinst du? Ich fühlte mich wohl wunschlos glücklich, so lange ich nichts ahnte von Leiden, wie du sie zu schildern weißt. Nun aber ist ein heißer Wunsch, ein brennendes Verlangen in meiner Seele erwacht: ist es nicht das höchste Glück, trösten, lindern, helfen zu dürfen, wo das Elend zum Himmel schreit?“

„Und dann Undank ernten und von denen, mit denen man es so gut meinte, verhöhnt und gequält zu werden, wie es unserm Heiland ging?“