Gabokol selber besaß einen photographischen Apparat, den er Flitmore bereitwilligst erläuterte. Die Linse war durchaus dem menschlichen Auge nachgebildet und wurde auch wie dieses eingestellt, wobei sie Bilder von unnachahmlicher Schärfe lieferte. Die Platten bestanden aus durchsichtiger Baumrinde und waren mit einem licht- und farbenempfindlichen Stoffe überzogen, der ebenfalls genau dem entsprechenden Stoff im Auge des Menschen nachgeahmt war. So entstand schon auf der Platte ein farbiges Bild, das durch ein verblüffend einfaches Verfahren festgehalten wurde. Von dieser ersten Platte konnten dann beliebig viele Vervielfältigungen ausgeführt werden, wobei man stets dieselben dünnen Platten benutzte: ein besonderes Material für die Abzüge war durchaus entbehrlich.

Gabokol schenkte dem Lord einen solchen Apparat und Flitmore war nun imstande, die Wunder Edens in einer Weise festzubannen, wie es keine irdische Kunst vermocht hätte.

Heinz durfte die Wunderkamera benutzen so oft er wollte; während aber der Lord vorzugsweise Landschaften, Tier- und Pflanzenbilder aufnahm, bevorzugte der Jüngling Porträtaufnahmen. Namentlich wurde er nicht müde, Heliastra allein oder mit ihrer anmutigen Schwester in immer neuen Stellungen zu photographieren und die Mädchen kamen ihm hiebei mit freundlichster Geduld entgegen.

Musik war den Edeniten ein Lebensbedürfnis; sie besaßen eigenartige Instrumente von unbeschreiblichem Wohlklang und einer Mannigfaltigkeit der Tonfarben, die ganz wunderbare Effekte ermöglichte. Das durchsichtige Holz der Bäume und Rohre, aus dem hauptsächlich die Instrumente gefertigt wurden, schien für diesen Zweck weit geeigneter als alle irdischen Holz- oder Metallarten; auch der stärkste metallische Klang, Orgel- und Glockentöne, war gewissen Holzarten eigen.

John war außer sich vor Freude über eine Flöte, die ihm Fliorot verehrte, und aus welcher der musikalische Diener Weisen hervorzuzaubern vermochte, die ihm alles Irdische zu übertreffen schienen.

Völlig in himmlische Sphären versetzt fühlten sich aber unsre Freunde, wenn Gabokol und Fliorot mit Bleodila, Glessiblora und Heliastra ihre herrlichen Gesänge erschallen ließen: das waren Stimmen, die den Traum einer Sphärenmusik tatsächlich verwirklichten; es war zu wenig gesagt, wenn man den Baß der Männer mit Orgelklängen vergleichen wollte und die Reinheit der Mädchenstimmen mit Silberglocken: jeder irdische Vergleich mußte hier verblassen und man konnte nur an die unbekannten Chöre der himmlischen Heerscharen denken. Und der Umfang dieser Stimmen war geradezu unglaublich: kein menschlicher Baß und kein irdischer Tenor konnte in solche Tiefen hinab, in solche Höhen hinaufsteigen; und die weiblichen Stimmen schienen in unendliche Räume entschweben zu können, wo sie zu ätherischen Klängen sich verflüchtigten.

Und welch fremdartige Melodien! Seltsam und niegehört den Erdenbewohnern und doch so heimatlich vertraut, als ob die in Träume des Entzückens gewiegte Seele die Lieder eines verlorenen Paradieses vernehme, das einst ihre selige Heimat war.

Merkwürdigerweise besaßen die Edeniten keinerlei Saiteninstrumente und so war ihnen Heinz’ Geige etwas völlig Neues.

Immer wieder wurde der Jüngling gebeten, ihnen irdische Weisen vorzuspielen. Anfangs sträubte er sich, denn ihm schien auch das Höchste, was Erdenkunst erreicht hat, kaum wert, sich hören zu lassen vor Ohren, die eine Sphärenmusik gewohnt waren; so glaubte er, sein Spiel müsse den Gastfreunden minderwertig erscheinen, und nur aus Höflichkeit bäten sie ihn, sein schwaches Talent ihnen vorzuführen.