Heinz photographiert Heliastra und Glessiblora.
Bald aber merkte er, daß er sich darin irrte; höfliche Verstellung und Schmeichelei war diesen Menschen fremd und sie hielten mit ihrem Urteil nicht zurück, wenn ihnen ein Musikstück nicht gefiel.
Aber das Violinspiel an und für sich und die wunderbare Vortragsweise des jungen Künstlers übte einen mächtigen Zauber auf sie aus, und Heinz mußte außerdem erkennen, daß die unsterblichen Tondichtungen irdischer Meister sich durchaus nicht zu scheuen brauchten, auch in höheren Welten zu Gehör gebracht zu werden, daß sie vielmehr hier ein noch höheres Verständnis fanden und entsprechenden Genuß vermittelten.
Heliastra besonders konnte sich an diesen Klängen einer fernen Welt nicht satthören.
„Unsre Musik ist schön,“ sagte sie, „und wir haben große Tonmeister gehabt und besitzen deren noch solche. Ihre Schöpfungen heiligen unsre Andacht und geben unserm Jubel Flügel; aber unsrer Musik fehlt etwas: ja, ihr mangelt der Reiz, der mich an der euren so völlig gefangen nimmt, die Wehmut, der Schmerz, die himmlische Sehnsucht, die geben euren Tonschöpfungen eine Seele, eine Wärme und Tiefe des Gefühls und Ausdrucks, daß ich glaube, selbst die Engel und Verklärten im Himmel könnten sich ihrem Banne nicht entziehen, noch ihnen ohne Bewegung und innerste Erschütterung lauschen. O, was muß das für eine Welt sein, wo der Schmerz sich in solchen Tönen verklärt und die Sehnsucht so ergreifenden Ausdruck findet!“
Gabokol begeisterte sich so sehr für die Violine, daß er beschloß, den Versuch zu machen, ein ähnliches Instrument herzustellen.
Er wählte das Holz eines Baumes, dessen Klangfarbe ihm zu diesem Zweck am passendsten erschien, und als Saiten zog er Pflanzenfasern auf, die sich vorzüglich hiezu eigneten. Im Bau ahmte er die Geige seines jungen Freundes aufs genaueste nach.
Er kam rasch mit der Arbeit zustande und nun erwies es sich, daß sowohl Holz als Saiten ungeahnte Vorzüge vor den irdischen Materialien aufwiesen.
Heinz versuchte sich sofort auf dem neuen Instrument: es war eine richtige Violine, aber sie ermöglichte eine solche Zartheit und wiederum eine solche Kraft des Tones und war von einem Zauber der Klangfarbe und Reinheit, daß keine Stradivari, Guarneri oder Amati sich entfernt mit ihr hätte vergleichen können.
Auch die Edeniten erkannten sofort, daß dies neue Instrument dem schon bisher so bewunderten Spiel ihres Freundes noch erhöhte Kraft und Schönheit, vertiefte Wärme und Innigkeit verlieh.