Durch einen leichten Schlag aufgemuntert, trabte der Braune dem Stall zu. Dieser war im Hofe eines altertümlichen Gasthauses, wo meistens Bauern, Landleute, besonders an Markttagen, übernachteten. Neben dem Stall war ein kleiner Raum, eine einzelne Stube, in der er schlief und wohnte.

Er schirrte das Pferd ab, schüttete Futter, hing das Lederzeug und das Gestänge an den großen eisernen Haken und ging, den Wagen unter den Schuppen zu zerren. Öffnete die Wagentür, um die gute Plüschdecke während der Nacht herauszunehmen. Da traf seine Hand, die im Dunkel auf dem Wagensitz herumtastete, unvermutet auf einen warmen Körper.

Wa–was war denn da los? Er nahm eine der noch brennenden Kutschlampen und leuchtete ins Wageninnere.

Eine weibliche Gestalt lehnte in einer Ecke. Sie hatte ein apfelsinengelbes Maskenkostüm an, das mit rotem und grünem Flitterkram übersät war.

Er setzte sich ihr gegenüber und betrachtete sie aufmerksam. Der Kopf war zur Seite gesunken, und die mit einer Nadel in dem hellblonden Haar befestigte Mütze war auf das eine Ohr gerutscht. Das ausgeschnittene Kostüm ließ ein Stück der weißen Brust sehen, die sich in regelmäßigen Atemzügen hob und senkte. Neben ihr lag ein Bündel.

Das war ja eine nette Überraschung. Himmel Herrgott! Hm, alt war sie ja nicht gerade – na jung auch nicht mehr. Die hatte der im Zylinder wohl hier liegen lassen. Hm – er war ja auf dem Bock eingenickt – dann hatte ihn der munter gemacht – und da mußte sie wohl zuvor eingestiegen sein.

Jjajjajaa – was war da zu machen? Sie hier ruhig schlafen lassen? Daß sie morgen früh in ihrem Aufputz wieder fortlief? Vielleicht wußte sie selber nicht, wo sie hingehörte. Wenn er sie nun in seine Stube trug? Da konnte sie schlafen, solange sie wollte, und kein Mensch sah sie. Nachher konnte man ja weitersehen.

Na ja freilich, brummte er, stieg aus dem Wagen und hing die Lampe wieder an ihren Ort. Da war das Mädchen jedenfalls ordentlich eingeseift worden und hatte nun einen Tüchtigen in der Krone.

Er hing die Wagentür aus, der sie am nächsten saß. Behutsam faßte er sie mit einem Arm unter den Knien, mit dem andern um den Leib und zwängte sich mit ihr aus dem Wagen.

Himmel, an der war schon was dran! Eine hübsche Last war das. Da gibt man sich schon so wenig wie möglich mit Frauenzimmern ab, und dabei kommt einem ein so seltener bunter Vogel von selber ins Nest geflogen. Er legte sie schweratmend in sein eisernes Feldbett und deckte sie mit der Pferdedecke zu. Im Wagen fand er noch einen ihrer Halbschuhe, den er vor das Bett stellte.