Hm – was wollte er nun mit sich und seiner Müdigkeit anfangen? Er zog seine Strickjacke aus und versuchte, nur mit den Hosen bekleidet, sich neben sie zu legen. Nein, das war nichts. So ließ sich's auf die Dauer nicht schlafen. Das Feldbett war zu schmal. Er ging hinüber in den Stall, schüttete in einer Ecke Stroh auf, breitete eine Decke darüber und deckte sich mit seinem Pelzmantel zu. Freilich – hier war schon mehr Platz. Er gähnte und lachte ein wenig. Wer ihm vor einer Stunde gesagt hätte, daß er wegen einer wildfremden, vergessenen Maske im Stall schlafen würde – na, den hätte er vielleicht – was einem doch nicht alles passieren kann –. Ruhig schlief er ein.

Am nächsten Morgen ging er an seine gewohnte Arbeit. Brachte den Pferden frisches Wasser und Futter, putzte und striegelte. Während er so auf dem Rücken des einen Braunen herumarbeitete, die Hufe stampften und scharrten, die wedelnden Schweife die Fliegen verscheuchten und das Mahlen der kauenden Gebisse zu hören war, dachte er an die vergangene Nacht. Ob sie noch schlief? Überhaupt – daran hatte er noch gar nicht gedacht – wenn man so jemand hätte, der einem mal die Treter schmierte oder früh eine Tasse heißen Kaffee kochte – in der Strickjacke war das Loch unter dem Ärmel auch schon wer weiß wie lange – – hm, das wäre gar nicht so ohne. Er setzte den Wassereimer aus der Hand und ging die paar Schritte über den Hof. Spähend sah er durch das kleine schmutzige Fenster in die Stube. Nichts regte sich. Dort vor dem Bett lag noch, wie eben hingeworfen, der Halbschuh. Am Kopfende schaute ein Stück ihrer gelben spitzen Mütze hervor. Sie schlief also noch. Na, einen anständigen Affen mußte sie schon gehascht haben!

Er ging leise hinein und machte die Tür des Wandschranks, der dem Bett gerade gegenüber hing, weit auf. Sie mußte es sehen, daß da ein halbes Brot lag, unter der Glasglocke Butter, Speck und der feine zerlaufene Käse stand. Behutsam ging er.

Er machte sich fertig, schirrte das Pferd an, schloß den Stall mit dem Querbalken und fuhr zum Hoftor hinaus.

Ach was – er kam ja gegen Abend wieder, um das Pferd zu wechseln, und zu mausen gab's in seiner Stube nicht viel, was der Rede wert gewesen wäre.

An seinem Standort saß er zeitunglesend auf dem Bock; nickte dem und dem zu, war gleichmütig wie immer. In der Destille frühstückte er, stand hinter der Tür an die Wand gelehnt, betrachtete die Vorübergehenden und blinzelte nach seinem Wagen.

Als es zu dunkeln begann, fuhr er wieder nach Hause. Jetzt konnte er seine Ungeduld kaum noch zähmen. Schwer war's doch geworden, sich so gar nichts anmerken zu lassen. Aber dabei ein so schönes Gefühl – wenn ihr wüßtet – – –.

Auf dem Hofe angelangt, näherte er sich sogleich seiner Stube. Ein eigentümliches Schleifen und Kratzen ertönte. Er trat ein. Sie kniete auf dem Boden und scheuerte mit der Wurzelbürste darauf los. Mit einem Blick bemerkte er auch, daß die Tür des Wandschrankes verschlossen war. Sie wußte Bescheid. Einen einfachen Rock und Bluse hatte sie an. War das mit im Bündel gewesen?

Da sie immer noch weiter schrubbte, als hätte sie ihr Lebtag nichts weiter getan, stieß er sie sachte mit dem Fuße an.

Sie erschrak ein wenig. Die derben bloßen Arme auf den Boden gestemmt, hielt sie inne, drehte den Kopf und richtete sich dann auf.