Ganz verlegen wurde sie und wollte sich aus ihrer knienden Stellung erheben. Er klopfte ihr beruhigend auf den Rücken und machte eine Bewegung mit der Hand, sie solle sich nur nicht stören lassen. Sie sah ihm mit einem langen Blick, der an seiner Gestalt in die Höhe ging, in die Augen. Sie wollte lächeln und verzog nur die Mundwinkel. Dann tauchte sie zögernd die Bürste in das Waschfaß und scheuerte weiter.

Er ging hinaus. Sinnend strich er seinen Bart und sah dem Obsthändler zu, der auf seinem Wagen stand und einem Trupp Marktfrauen die Tragkörbe von Äpfel sackte.

Sie wußte sich ja zu helfen. Die Scheuerbürste, das Waschfaß hatten auf dem Hof neben der Wasserleitung gelegen. Sie würde schon finden, was sie brauchte. Ihm war zumute, als könne er stundenlang auf einen Fleck stieren, und als müßte er dann wieder lachen und singen.

Diese Nacht schlief er wieder im Stall und betrat auch am Morgen nicht die Stube. Wie eine Scheu war es in ihm. Was hätte er ihr denn sagen sollen?

Ehe er am Abend wieder heimfuhr, brachte er im Kasten des Kutschersitzes eine Kaffeemühle, eine Tüte Kaffee, Wurst und Fleisch unter. Ärgerlich wippte er mit der Peitsche. Heute mußte Gewißheit werden.

Die eingekauften Sachen im Arm, betrat er die Stube. Sie stand schnell vom Bett auf und drückte sich in eine Ecke. Er tat sehr geschäftig, legte alles auf den Tisch und rumorte im Wandschrank herum, brummend, daß er den Spirituskocher versiebt hätte, den er endlich in einem Lappen eingewickelt fand. Es war noch kein Wort zwischen ihnen gefallen. Nun drehte er sich um, räusperte sich laut und sagte, ob sie ihm denn morgen früh eine Tasse Kaffee kochen wolle. Als sie nicht antwortete und nur hilflos auf seine Lippen sah, machte er eifrig die Gebärden des Kaffeemahlens.

Sie nickte, als sei das selbstverständlich. Dann zeigte sie nach einem Ohr und sprach stockend und stotternd, daß sie kein Gehör habe, schon als ganz kleines Kind nicht. Da sahen sie sich mit einem langen Blick in die Augen, und es war ganz still in dem kleinen niedrigen Raum.

Am nächsten Morgen stand er zeitiger auf als sonst. Hastig richtete er Pferd und Wagen her und fuhr davon. Planlos fuhr er in den Straßen umher und frug sich immer wieder, ob sie wohl schon munter gewesen war und ob sie Kaffee gekocht hatte.

Trotzig kam er abends wieder. Sich von einem hergelaufenen Weibsen verdrängen – verdrängen lassen – aus der eigenen Behausung –? Oho!!

Er setzte sich auf einen Schemel an den wackligen Tisch und begann zu essen. Verstohlen sah er nach ihr hin. Sie saß auf dem Bettrand und hatte auf dem Schoß einige Schürzen liegen, deren Bänder sie durch die Finger zog und glättete. Nun gewahrte er unter dem Bett auch einen kleinen Reisekorb, dessen Deckel mit schwarzem Wachstuch überzogen war. Er vermied jedes Erstaunen und winkte sie heran. Rückte den andern Schemel zurecht und wies auf Wurst und Brot.