Sie setzte sich auch neben ihn, vorsichtig und geräuschlos essend. Zuweilen blickten sie auf, nickten sich zu, als hätten sie sich nichts zu sagen, als hätten sie immer so zusammengesessen. Sie hatte auch so etwas in den Augen, das ihn wie etwas längst Vertrautes ansah: ich weiß schon, was du sagen willst; sei du nur unbesorgt.
Nach dem Essen holte er seine Zeitung hervor und las. Dabei fühlte er, wie sie ihn unausgesetzt betrachtete. Er wandte den Kopf und zeigte auf eine Stelle in der Zeitung. Sie rückte näher heran, um es auch zu lesen.
Unwillkürlich legte er nach einer Weile seinen Arm um ihre Schultern, und so lasen sie alle beide.
Drückend wurde das Schweigen. Keiner wagte sich zu rühren, wie sie so saßen und längst das Zeitungsblatt nach allen Richtungen hin überflogen hatten. Endlich wollte sie sich aufrichten. Da faßte er sie mit der andern Hand am Kinn, zog ihren Kopf heran und küßte sie.
Er fühlte, wie ihre Lippen die Liebkosung erwiderten. Von nun an war das Feldbett nicht mehr zu schmal.
Den folgenden Tag passierte etwas noch nie Dagewesenes.
Der feine Bernhard war früh nicht an seinen Standort gekommen. Er kam am Mittag und auch am Abend nicht.
Dafür war er in der Stadt gesehen worden, wie er in den feinen Vierteln an großen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten herumkutschiert war – wie er, ein leidlich hübsches Frauenzimmer im Wagen, mit der Peitsche auf dies und jenes gezeigt hätte. Ja – und seine beiden Braunen wären vor dem Wagen gewesen – hätten sogar Blumen an den Ohren stecken gehabt wie ihr Herr an seinem blitzenden Lackhut. Und alles hätte so blank und so munter gelacht, daß selbst der Neid in der Gasse zerplatzt wäre, hätte er das mit angesehen. Ja, hier konnte einer wieder mal deutlich sehen, daß stille Wasser tief sind. Denn wer hätte das dem feinen Bernhard so ohne weiteres zugetraut. Freilich, auf Überraschungen war man ja bei dem gefaßt. Aber, daß er solche Dinger baute und eine Hochzeitsreise durch die Stadt machte, ohne auch nur ein Sterbenswörtchen verlauten zu lassen, das war doch ein starkes Stück. Nun hatte man ihm ja nicht einmal gratulieren können!
Und als er am nächsten Morgen in der Kneipe hinter der Tür lehnte, seinen Schnitt Bier und seinen Korn trank, den Eintretenden guten Tag zunickte oder sich zu einer skatenden Gruppe stellte, da kannte das Staunen keine Grenzen. Ha – er war eben der feine Bernhard! …
So verging etwa ein Jahr. Nichts änderte sich in seinem Äußeren. Er war wortkarg wie immer und bestimmt in seinem Tun.