Aber eines Tages war er wieder die Ursache allerlei Vermutungen und kopfschüttelnden Staunen.
Er war wieder einen ganzen Tag nicht gekommen, auch nicht gesehen worden.
In seiner Kutscherstube saß er auf dem Bettrand, hatte den Kopf in die Hände gestützt und die Finger in die Haare gekrallt.
Sie war fort.
Mit weitgeöffneten Augen stierte er zu Boden. War denn das möglich? Was war es denn, was sie fortgetrieben hatte? Hatte er je gefragt, ob sie bleiben wollte? Nie! Er hatte es gestern abend gleich geahnt, als er sie bei seinem Eintreten nicht in der Stube vorfand. Der Reisekorb und aller übrige Kram fehlte ja auch. Wenn eine unter Tausenden zu ihm gepaßt hatte, so war sie's gewesen. Sie war in ihn hineingewachsen. Er wollte es abschütteln! Zum Teufel – wenn sie gehen wollte – nun gut –!
Finstere Falten auf der Stirn, richtete er sich auf. Da fiel sein Blick auf den geöffneten Wandschrank. Sie hatte die beiden Fächer fein mit Papier ausgelegt und eine weiße Zackenborte an die Ränder der Bretter gehäkelt. Er stand auf, nahm das Papier heraus und riß die mit Zwecken befestigte Borte langsam ab, ging in den Stall und an seine Arbeit.
Es kam jetzt öfter vor, daß der feine Bernhard ein Glas über den Durst trank und mit einem Fahrgast wegen der Bezahlung in Streit geriet, oder beim Skat zu krakeelen anfing und mit dem Finger drohte: sie sollten ihn nur erst einmal kennen lernen, er wäre kein Guter. Hatte er früher für die harmlosen Späße der Straßenjugend nur einen Peitschenknall übrig gehabt, so konnte er jetzt in Wut geraten, wenn sie ihm zuriefen, daß sich die Räder so schnell drehten, oder – ob er frei wäre –. Mit gewaltigem Satz sprang er vom Bock und schlug ihnen die Peitsche um die Ohren, daß sie ausrissen wie Schafleder …
Eines Abends stand der dicke Wirt der Kutscherkneipe vor seiner Tür. Da rief er auf einmal ins Lokal hinein: