Einige in Papier gewickelte Geldstücke fielen neben sie nieder, die sie, nachdem sie geendet, aufhoben, während sie dankend den Hut lüfteten. Nach einer kleinen Weile holte auch Paul seine Mundharmonika hervor, und zu zweit spielten sie einen forschen Marsch. Dann spähten sie umher, ob etwa irgendwo noch ein Geldstück lag, zogen noch einmal grüßend den Hut und gingen.
Ihr Programm war in jedem Hof dasselbe. Sie spielten einen Marsch, dann sang Paul sein Lied, manchmal gab er auch eins zu, wenn die Geldstücke zahlreicher als sonst fielen, und zum Schluß bliesen sie wieder.
Sie waren innige Freunde und hatten sich auf der Walze kennen gelernt. Hatten sie da schon alles redlich miteinander geteilt, so taten sie es jetzt erst recht. Wenn es auch nicht viel war, was sie mit ihrem Hofsingen einnahmen, es half doch ein wenig über die arbeitslose Zeit hinweg.
Manchmal wurden sie auch barsch von einem Hof gewiesen, noch ehe sie begonnen hatten, und manchmal zogen sie es auch selbst vor, ein paar Häuser weiterzugehn, wenn ihnen die Gelegenheit nicht besonders günstig schien.
Hermann sah sich jeden Hof erst an. Da war in dem einen ein Schlosser, der an einem Schraubstock stand und ein langes Eisenrohr mit dem Hammer bearbeitete. Auch aus der Werkstatt ertönte helles und dumpfes Pochen durcheinander. In einem andern Hofe wurden Motore repariert. Mehrere Geschäftsautomobile standen umher. Die Motore wurden in Gang gesetzt und untersucht. Es war ein Rattern und Stöhnen, bald langsam, bald schneller, oder sich in puffenden Stößen überstürzend. Die damit beschäftigten Menschen schrien sich ihre Worte ins Gesicht, denn das Geräusch der Motoren übertönte sie.
Hier war kein Platz für die beiden. Sie suchten sich ruhigere Höfe aus.
Eines Nachmittags standen sie wieder vor einem Hause. Paul wartete und Hermann ging hinein, um sich ein bißchen umzuschauen. Es verging eine geraume Zeit. Hermann kam nicht wieder zum Vorschein, und Paul ging ihm deshalb nach. Er sah ihn an der Tür lehnen und wollte ihn eben fragen, was es denn gäbe, als er betroffen stehen blieb.
In der Mitte des Hofes stand ein dreirädriger Korbwagen, in dem eine schwarzgekleidete Frau saß. Ihr graues Haar war in der Mitte schnurgerade gescheitelt, und jedes Haar schien zu beiden Seiten des Scheitels peinlich genau aneinandergereiht zu sein. Ihr Gesicht war gelb und hatte einen immerfort lächelnden Ausdruck. Die ebenso gelben Hände lagen auf den Armstützen des Wagens und zupften und spielten an dem ausgefranzten Lederbezug. Ein barfüßiger Junge hielt die Querstange des Wagens gefaßt, bereit, jeden Augenblick den Wagen wieder fortzufahren.
»Die alte Liebichen«, sagte Hermann auf einen Blick Pauls.