Der Mann, von dessen Anwesenheit die Behörden übrigens erst erfuhren, als dieser schon mit der Bevölkerung ganz zusammengewachsen war, erklärte dann auf dringendes Befragen, nur seinen Namen sagen, über alles andere aber, solange er lebe, nie einem Menschen Auskunft geben zu wollen. Dabei war er bis heute geblieben.

Im übrigen hatte er zugesagt, die Gesetze des Landes zwar befolgen, sie aber nicht anerkennen zu wollen, da er außerhalb seiner selbst keinerlei Gesetz oder Überordnung irgendwelcher Art als bestehend ansähe. Er betrachte sich als den Mittelpunkt seiner Welt.

Man hielt ihn damals für geistesgestört, wenn auch gutgeartet, und sah das vermeintliche Leiden als Folge seiner rätselhaften Vergangenheit an, eine Ansicht, an der man in Porto Cabello noch heute festzuhalten schien, die der Kapitän aber nicht zu der seinen zu machen vermochte.

Als der Kapitän von der Einladung des seltsamen Mannes erzählte, war man allerseits verwundert. Es hatte zwar nie an Wissensdurstigen gefehlt, die immer und immer wieder versucht hatten, sich auf alle Art dem Sonderling zu nähern, um sein Vertrauen zu gewinnen, und dann vielleicht das Geheimnis zu enträtseln, aber auch die taktvollsten Anbahnungsversuche hatte er stets sofort als solche erkannt und ihnen die bündige Erklärung entgegengesetzt, er hege den Wunsch, ganz für sich allein zu leben. –

Es kostete den Kapitän nach diesen Eröffnungen einige Überwindung, seinem dringenden Wunsche, den Einsamen wiederzusehen, nachzugeben, aber die Überlegung, daß die Einladung ja, wenn auch nicht sehr nachdrücklich, so doch ganz freiwillig erfolgt war, und daß er sich im übrigen ja sofort wieder entfernen könne, sobald er etwa die Empfindung habe, dem Manne lästig zu fallen, veranlaßte ihn doch, an einem der nächsten Tage abermals den Weg das Flußtal hinauf zu machen. –

Der Einsiedler war, als der Kapitän anlangte, gerade dabei, etwa zehn oder zwölf Indianerkindern Unterricht zu erteilen. Gegen das Sträuben des Gastes bestand er darauf, seine Beschäftigung abzubrechen und erklärte überdies, daß es des Sonnenbrandes wegen unmöglich sei, vor Abend wieder in die Ebene hinabzusteigen.

Als die Kinder sich entfernt hatten, begrüßte er den Ankömmling noch einmal herzlich, aber doch mit einiger im Kontrast zu seiner sonstigen Sicherheit stehenden Befangenheit. Des Umganges mit Menschen seiner Bildungsstufe seit vielen Jahren entwöhnt, bedurfte es für ihn offenbar einiger Übung, sich wieder zurecht zu finden.

Der Kapitän rechnet den Tag, den er mit dem weltflüchtigen Manne dort oben verlebte, zu den reichsten und eindruckvollsten seines Lebens. Von Stunde zu Stunde gewann er den Ernsten, Rätselhaften lieber, der in seiner körperlichen Größe und Schönheit und vermöge seiner starken, wenn auch zurückhaltenden Suggestivkraft in der Tat dem Bilde zu gleichen schien, das man sich von einem Heiligen machen könnte.

Die Unterhaltungen drehten sich ausschließlich um Kunst, Literatur und Naturwissenschaften. In den beiden ersten Gebieten fragte der Wirt viel, als wolle er sich belehren lassen, obwohl er erheblich über das Mittelmaß europäischer Durchschnittsbildung hinaus unterrichtet war. Mindestens zeigte er, auch wo ihm fachliches Wissen etwa mangelte, einen sicheren Instinkt, und vermochte klar das Echte vom Gemachten zu unterscheiden.

In naturwissenschaftlichen Dingen aber, die er von einem hohen philosophischen Standpunkte aus behandelte, war er uneingeschränkt der Führer der Unterhaltung. Dem Gaste dünkte es ein seltener Gewinn, ihm da zuzuhören. Die Erscheinungen der organischen Welt waren dem Einsiedler nur das Material, aus welchem er seine Gedanken über Vergangenheit und Zukunft aufbaute.